Berlin : Bund drängt zur Eile beim Kauf neuer S-Bahnen

Ersatz der Problemzüge ist für das Verkehrsministerium ohne Alternative

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gefällt das Problemfahrzeug der Berliner S-Bahn. Sauber sei es, und die Bahn bringt ihn am Freitag auch problemlos zum Werksbesuch beim Hersteller Bombardier nach Hennigsdorf. Sein Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle bleibt aber dabei: Zum Kauf neuer Fahrzeuge, die auch die jüngste Baureihe 481 ersetzen sollen, gebe es keine Alternative. Ob die Bahn die Bestellung aufgibt, solle sich im März entscheiden.

Vor der Bestellung neuer Bahnen müsse aber geklärt werden, dass die Züge auch dann weiterfahren dürfen, wenn die Bahn eine mögliche Ausschreibung des Betriebs für die Zeit nach 2017 verlieren sollte, stellte Scheurle klar. In diesem Fall müsste ein neuer Betreiber die Züge der Bahn „zum Marktpreis“ abkaufen dürfen. Auch das Land könne zum Erwerber werden, sagte Scheurle. Bisher hat sich die Bahn geweigert, Fahrzeuge an Konkurrenten zu veräußern.

Der Verkehrsvertrag der Länder Berlin und Brandenburg mit der S-Bahn läuft Mitte Dezember 2017 aus. Zwei Drittel des Netzes soll die Bahn AG mit ihrem Tochterunternehmen S-Bahn Berlin weiter betreiben, weil nur sie die dafür notwendigen Fahrzeuge besitzt. Bis zu diesem Zeitpunkt könne die Industrie nur rund 200 neue Doppelwagen entwickeln, produzieren und erproben, hat die Senatsverkehrsverwaltung ausgerechnet, was nur für den Betrieb auf einem Drittel des Netzes reicht. Bis Ende März will der Senat festlegen, wie er vorgeht.

Er kann das Drittelnetz – vorgesehen ist die Ringbahn und die Zulaufstrecken im Südosten – ausschreiben oder den Betrieb direkt an die landeseigene BVG übertragen. Eine Direktvergabe wie bisher an die Bahn AG ist nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom vergangenen Dienstag, das generell eine Ausschreibung vorsieht, kaum noch möglich.

Nach den bisherigen Plänen der Verkehrsverwaltung sollte, falls es zur Ausschreibung kommt, der neue Betreiber die 200 neuen Fahrzeuge bestellen – möglicherweise mithilfe einer Landesbürgschaft. Das Ausschreibungsverfahren dauert rund ein Jahr, und für die Entwicklung eines neuen Fahrzeugtyps sind rund fünf Jahre angesetzt. Deshalb drängt Scheurle auf eine schnelle Bestellung – zunächst noch durch die Bahn AG. Eine Vorentscheidung zugunsten der Bahn auch weiter als Alleinbetreiber sei damit nicht verbunden, da der Fahrzeugübergang auf andere Betreiber ja geregelt werde.

Ramsauer gefiel bei seiner Fahrt auch der Blick aus dem Fenster. Dass der Bund bisher kein Geld herausrückt, um die schöne Strecke nach Hennigsdorf zweigleisig ausbauen zu können, was seit Jahren geplant ist, war ihm allerdings nicht bekannt. Vielleicht ändert sich das nach der Ministerfahrt. Klaus Kurpjuweit

Heute und morgen gelten als „Entschuldigung“ der S-Bahn bei allen Fahrten mit Bahnen und Bussen im Tarifgebiet ABC Einzelfahrscheine wieder als Tageskarte. Weitere Entschädigungen folgen.

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