Berlin : Bund fliegt jetzt doch auf Tempelhof

Er will die Gebäude nach dem Ende des Airportbetriebs übernehmen. Sanierung wird teuer

Klaus Kurpjuweit

Der Bund hat sich darauf eingestellt, das Tempelhofer Flughafengebäude nach Aufgabe des Flugbetriebs zum 1. April 2007 zu übernehmen. Anders als 2004 werde man sich nicht dagegen wehren, sagte Matthias Bick von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Damals wollte die Flughafengesellschaft lediglich den Betrieb aufgeben. „Wir hätten dann faktisch ein Gebäude mit Flughafenfunktion übernommen“, so Bick. 2007 ist das nicht mehr der Fall. Daher werde der Bund das Gebäude „ohne Wenn und Aber“ in seine Obhut nehmen.

Danach werde schnell ein Konzept für die Nachnutzung vorgelegt. Derzeit läuft die Auswertung von Ideen, wie das Gebäude genutzt werden könnte. Mit langem Leerstand sei nicht zu rechnen, sagte Bick. Dies wäre auf Dauer zu teuer.

Zunächst könnte es aber in einem der größten Gebäudekomplexe der Welt ganz schnell ziemlich leer werden. In wenigen Tagen will die Luftfahrtbehörde mitteilen, ob sie dem Schließungsantrag der Flughafengesellschaft zum 31. März 2007 zustimmt. Wird der Flugbetrieb beendet, muss für einen Großteil der 9000 Räume eine neue Nutzung gefunden werden. Der vermietbare Bereich umfasst etwa 280 000 Quadratmeter, wovon derzeit rund 195 000 Quadratmeter vergeben sind. Wenn die Flughafengesellschaft sowie die Airlines im nächsten Frühjahr ausziehen, werden allerdings 100 000 Quadratmeter frei. Ende des Jahres verlässt die Deutsche Flugsicherung Tempelhof und vergrößert den Leerstand.

Die meisten Räume müssen vor einer Vermietung saniert werden. Nach dem Abzug der Amerikaner hatten zwar mehrere hundert Mitarbeiter der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) einen Teil der Räume übernommen – und sie in einem desolaten Zustand hinterlassen. Auch ein von der US Air Force für Soldaten geführtes Hotel steht seit 1993/94 leer und vergammelt. Die ehemalige Sporthalle ist von der Bauaufsicht gesperrt worden und darf erst nach der Sanierung des Bodens wieder genutzt werden. Fast nicht zu vermieten sind auch die fensterlosen abhörsicheren Räume der Amerikaner.

Wie viel die Sanierung des Gebäudes, das 1940 im Rohbau fertig geworden war, kosten wird, hat noch niemand gesagt. Ein Experte nannte dem Tagesspiegel die Summe von mindestens 500 Millionen Euro. Ein Betrag, den Bick für zu hoch hält. Noch sei gar nicht entschieden, auf welchen Standard der Bau gebracht werden soll. Bei der Planung des Gebäudes durch den Architekten Ernst Sagebiel war vorgesehen, unter anderem die Lufthansa und Behörden in Tempelhof unterzubringen. Gebaut wurde nach modernsten Vorgaben – aber weit über den damaligen Bedarf hinaus. Und heute gibt es stadtweit einen Leerstand von Büroimmobilien, was eine Nachnutzung für Tempelhof erschwert.

Der Bundesnachrichtendienst, der als Nutzer im Gespräch war, wollte lieber einen Neubau beziehen. Und dass andere Bundesbehörden in großem Stil einziehen, hält Bick für unwahrscheinlich. Das Gebäude solle mit privatem Kapital ausgebaut werden; möglichst mit einer Nutzung, die es so bisher nicht gibt. Denn man müsse darauf achten, anderen Standorten keine Konkurrenz zu machen, so Bick. Der Spitzenkandidat der CDU, Friedbert Pflüger, will beispielsweise den Komplex zu einem „Tempelhof Talent Tower (TTT)“ entwickeln. Junge Unternehmen sollen den Flughafen zu einer „einzigartigen Ideenfabrik“ machen, besonders in den Bereichen Medien, Biotechnologie und Informationstechnik. Dafür solle eine private Betreibergesellschaft gefunden werden, die das Gebäude Schritt für Schritt ausbaut. In den beiden ersten Jahren sollen die Mieter die Räume gratis nutzen dürfen. Durchgerechnet ist dieses Konzept noch nicht.

Während Pflüger auch den Flugbetrieb fortführen will, weist Bick darauf hin, dass der Komplex ohne Flughafen einfacher neu zu gestalten sei. Bisher hemme der Sicherheitsbereich den Umbau. Doch zwingend sei das Ende des Flughafens nicht. „Wir stellen uns auf alle Varianten ein – mit und ohne Flugbetrieb.“

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