Berlin : Bund versilbert Immobilien Viele Berliner Häuser als Paket auf dem Markt

von

Das Bundesfinanzministerium will Kasse machen. Es bietet unter anderem die TLG Immobilien mit Sitz in Berlin zum Kauf an. Im Eigentum der GmbH, deren Alleingesellschafterin seit 1995 die Bundesrepublik ist, stehen etwa die Kulturbrauerei, zahlreiche Einkaufscenter und Bürohäuser – darunter das mit 200 Metern längste Bürogebäude Berlins, ein Plattenbau am Alexanderplatz gegenüber dem Park Inn-Hotel. Am Alexanderplatz hatte die TLG zuletzt rund 80 Millionen in den Neubau „Die Welle“ investiert. In dem achtgeschossigen Gebäude sollen zwei Hotels mit 600 Zimmern eröffnen. Wohnungen besitzt die Gesellschaft nicht in Berlin. Die Mieter der Immobilien haben nach Angaben einer Unternehmenssprecherin vorerst nichts zu befürchten, weil Mietverträge beim Wechsel des Grundeigentümers weiter gelten.

Mit dem Verkauf der TLG endet ein weiteres Kapitel der deutschen Vereinigung, denn die Firma ging 1991 aus der zur Privatisierung des DDR-Volksvermögens gegründeten Behörde „Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft“ hervor. Die TLG-Immobilien hat bereits vor Jahren ihre Geschäftspolitik geändert: Statt ihre Grundstücke zu verkaufen, entwickelte und bebaute sie die Flächen und wuchs dadurch zu einer milliardenschweren Grundstücksgesellschaft.

Mehr als 1150 Immobilien und 23 000 „Mieteinheiten“ stehen in der bundesweiten Bilanz der TLG. Deren Verkehrswert beziffert das Bundesfinanzministerium auf 1,76 Milliarden Euro. Die Gewinne halbierten sich zuletzt wegen hoher Investitionen: Laut Bilanz sanken sie von gut 46 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 20 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Zurzeit managen rund 300 Mitarbeiter den Besitz.

In Berlin und Brandenburg ist die TLG Eigentümerin von rund 200 Immobilien und 4500 Mieteinheiten. Ein großer Teil davon sind Bürogebäude und Einkaufscenter. So entwickelt die Gesellschaft zurzeit im Stadtteil Marzahn das 6000 Quadratmeter große Einkaufs-„Center am Helene-Weigel-Platz“, das noch in diesem Jahr fertig gestellt wird. Auch Nahversorgungszentren in Treptow-Köpenick und Adlershof gehören zu den Projekten. Laut Finanzministerium „knüpft die geplante Veräußerung des Bundesunternehmens an den ersten Anlauf aus dem Jahr 2008 an“. Die Privatisierung sei damals wegen der beginnenden Finanzkrise abgebrochen worden. Um den Bieterkreis zu erweitern, werde die TLG in eine Gesellschaft für Wohnhäuser und eine für Gewerbe-Immobilien aufgespalten.

Laut TLG ist die Gesellschaft in Berlin Eigentümerin des Hauses Berolina am Hausvogteiplatz 12, des Smart-Centers von Mercedes in Tiergarten, des Cubix-Kinos am Alexanderplatz und des Opernpalais Unter den Linden. Ihre 270 Einzelhandelsimmobilien, 75 Bürogebäude, Hotels und Seniorenheime stehen in Berlin und Potsdam, an der Ostseeküste sowie im „mitteldeutschen Kernraum“ in Halle und Leipzig. Ralf Schönball

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben