Berlin : Bundesbehörde sucht neue Nutzer für Tempelhof

Immobilienchef Kühnau geht von Schließung aus – und lobt trotzdem das Langhammer-Konzept

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Chef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Dirk Kühnau, sieht erhebliche Probleme, den Flughafen Tempelhof nach einer Schließung anders zu nutzen. „Den großen Renner für Tempelhof gibt es nicht“, sagte er dem Tagesspiegel. Allein mit Bundesbehörden ließe sich der riesige Gebäudekomplex nicht füllen, außerdem sei dies wegen der hohen Betriebs- und Umbaukosten eine teure Angelegenheit. „Beim Bundestag müssten wir sehr dafür werben.“

Allerdings sei, so Kühnau, die mögliche Unterbringung des Bundesinnenministeriums in Tempelhof noch nicht abschließend geklärt. Ein Neubau für das gegenwärtig in Moabit als Mieter untergebrachte Innenministerium wäre wohl preiswerter, und es kämen Sicherheitsfragen hinzu. Die Verlagerung des Bundesverteidigungsministeriums von der Bonner Hardthöhe an den Platz der Luftbrücke in Berlin ist nach Einschätzung des Chefs der Immobilienverwaltung des Bundes „keine ernsthafte Möglichkeit“. Dafür sei Tempelhof wiederum zu klein. Es wären „enorme Zubauten“ notwendig. Und für die Bundeswehr gäbe es in Berlin schon die 80 Hektar große Julius-Leber-Kaserne.

Dagegen sei der Umzug nachgeordneter Bundesbehörden nach Tempelhof eine „interessante Variante“, sagte Kühnau gestern. Allein in Berlin seien 1200 Mitarbeiter dieser Ämter auf mehrere Standorte verteilt. Als Beispiele nannte der BImA-Vorstand die Bundesbauverwaltung und die ehemalige Oberfinanzdirektion. Vielleicht ließe sich sogar die bundeseigene Immobilie in der Fasanenstraße, westlich des Bahnhofs Zoo, verkaufen „und der Erlös in Tempelhof investieren“. Kühnau hat auch beim Finanzsenator Thilo Sarrazin angefragt, ob nicht Berliner Finanzämter ins Flughafengebäude ziehen wollen. Nein, die seien prima untergebracht, so die Antwort.

Im „Ringen um eine wirtschaftlich tragfähige Lösung“ will die Behörde keinesfalls nur staatliche Stellen bemühen. Kühnau kündigte an, voraussichtlich im April die Suche nach privaten Investoren zu intensivieren. Dabei gehe er „von der höheren Wahrscheinlichkeit aus, dass im Oktober 2008 mit dem Flugbetrieb in Tempelhof tatsächlich Schluss ist“. Solange jedoch keine endgültige Klarheit bestehe, werde man zweigleisig verfahren. Also auch Interessenten suchen, die den Geschäftsflugverkehr aufrechterhalten wollen. Kühnau selbst favorisiert diese Variante. Er lobt das Angebot des US-Unternehmers Fred Langhammer im Zusammenspiel mit der Deutschen Bahn als „einen vernünftigen, gut gegliederten Nutzungs-Mix“. Damit ließe sich das gesamte Gebäude füllen, „aber es wird wohl nichts werden mit dem kleinen Flugbetrieb“. Denn solange noch Klagen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zum Ausbau des Großflughafens Schönefeld (BBI) anhängig seien, bedeute eine Fortsetzung des Flugbetriebs in Tempelhof für BBI ein hohes Risiko.

Kühnau bestätigte, dass die Investoren wegen der unklaren Lage „bisher nicht gerade Schlange standen“. Jetzt werde man, auch in Abstimmung mit dem Berliner Senat, „die Interessen neu abfragen“. Möglich wären Teilverkäufe oder auch Vermietungen, die für ausländische Unternehmen oft interessanter seien. Mindestens drei bis vier Monate müsse man den Investoren dann Zeit lassen, erste Pläne zu präsentieren.

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