Berlin : Bundesdruckerei: Klaus Böger träumt vom Milliardencoup

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Wenn in diesen von Bankenkrise und Haushaltsloch geprägten Tagen ein Bürgermeister und Senator ein neues Gebäude der Bundesdruckerei eröffnet, dann liegen fiskalische Anspielungen nahe. Klaus Böger, an Stelle des kurz zuvor abgewählten Eberhard Diepgen Ehrengast der Feier am Dienstagnachmittag, entschied sich für eine Mischung aus Selbstironie und Galgenhumor.

"Wenn ich mir Ihr Gebäude so anschaue", sagte der SPD-Mann "dann überkommen mich elegische Gedanken, was hier hergestellt wird - und ob man sich davon nicht etwas rausholen könnte." Aber Böger wurde enttäuscht: Von den Euro-Banknoten, die derzeit rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb in den Produktionshallen an der Kommandantenstraße gedruckt werden, bekamen die Eröffnungsgäste nichts zu sehen. Stattdessen verteilten die Geldhersteller Schokoladen-Euros zum Naschen.

Das jetzt eröffnete Büro- und Verwaltungsgebäude bildet den nördlichen Abschluss des riesigen Druckerei-Areals zwischen Oranien- und Kommandantenstraße. Der Ziegelbau mit der herausragenden Glasfront harmoniert optisch mit dem vier Jahre zuvor eröffneten Wertdruckgebäude, in dem neben der Hälfte aller deutschen Banknoten auch Pässe, Führerscheine, Briefmarken und Steuerzeichen hergestellt werden. Das städtebauliche Konzept für den Bundesdruckereiplatz ist damit fast realisiert. Letzter Abschnitt des Gesamtvorhabens ist der Neubau einer Recyclinghalle. Diese soll Ende 2002 fertig gestellt sein.

In dem neuen Gebäude hat die seit Mitte der 90er Jahre privatisierte Bundesdruckerei unter anderem Teile der Forschungs- und Entwicklungsabteilung untergebracht, wie Projekleiterin Gesine Lange beim Eröffnungsrundgang erklärte. In kleinen Produktionsräumen werden spezielle Sicherheitsfarben hergestellt und erprobt. Das neue Bürogebäude hat auf sieben Etagen eine Bruttogeschossfläche von etwa 14 600 Quadratmetern. In dem vom Architektenbüro BHHS & Partner entworfenen Bau werden auch der Labortrakt sowie die Ausbildungswerkstätten der Mediengestalter, Drucker und Buchbinder untergebracht. Einen Teil der Büro- und Produktionsflächen vermietet die Bundesdruckerei an Betriebsfremde. Im vorderen Gebäudeteil, dessen Fassade in der Straßenflucht der Beuthstraße liegt, residiert die Landesgeschäftsstelle der Krankenkasse DAK. Deren Mitarbeiter haben aus ihren Büros einen spektakulären Blick über den ehemaligen Mauerstreifen bis hin zur Friedrichswerderschen Kirche.

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