Bundesmillionen für Berlin : Und der Senat will das Geld nicht haben

Taktlose Abfuhr - der Bausenator will keine Rückkehr des Neptunbrunnen an den Schlossplatz. Und vergibt damit eine Chance zur Stadtgestaltung.

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Fast 300 öffentlichen Brunnen gibt es in Berlin. Einer der schönsten ist der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus.
Fast 300 öffentlichen Brunnen gibt es in Berlin. Einer der schönsten ist der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Nicht zu glauben! 280 Millionen Euro stellt der Bund für Kultur bereit. Die schwarze Null im Bundeshaushalt steht trotzdem. Außerdem gibt es Hunderte von Extramillionen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Kein Zweifel: Deutschland steht gut da – gemessen an den Finanzen.

Zehn Millionen Euro bietet der Bund

Und Berlin erst! Zehn Millionen Euro stellt der Bund für die Rückkehr des Neptunbrunnens an seinen ursprünglichen Platz vor das Schloss bereit. Und Berlin? Lehnt dankend ab! Sieht so das neue Selbstbewusstsein der erstarkten Hauptstadt aus? Schön wär’s. Im Senat sitzen eben nur Menschen und die sind bisweilen stur. Besonders, wenn es ums Prinzip geht. Denn einer der Grundsätze lautet: Das Schloss ist ein Neubau, deshalb muss das Umfeld modern gestaltet werden. Kein Brunnen! Betonbänke, dunkler Granit, glatt und kalt, eine Hauptstraße quer über den Platz gezogen, nur der Verkehr soll fließen.

Eine "ergebnisoffene" Debatte will der Senator

Sicher, begründet hat Berlins Bausenator das anders, hat die Bürger vorgeschoben bei seinem Rüffel für den Bund: Der möge sich gefälligst aus der „ergebnisoffenen Stadtdebatte“ zur Umgestaltung von Mitte raushalten. Eine Versetzung des Neptunbrunnens stehe nicht zur Diskussion.

Der Senat war schon immer gegen den Umzug des Brunnens

Gut, dass genau das immer schon erklärter Wille des Senats war: den Brunnen zu lassen, wo er steht, seit 1969, auf der Brache am Fernsehturm. Sicher, aus der Höhe betrachtet geht dieser Ort als Denkmal sozialistischer Stadtplanungsutopien durch. An der Basis aber prägen Trinkgelage und Gewalt diesen Ort, der fest im Griff einer Klientel ist – und nicht mehr gemeinsamer Platz aller Berliner.

Taktlos, die Abfuhr an den Bund

Der Senat hat das erkannt, gehört dafür gelobt, auch für die Eröffnung der Debatte und für den geplanten Ideenwettbewerb zur Neuordnung der Alten Mitte. Dass der Senator aber schroff die Millionengaben des Bundes abweist, ist taktlos.

Wo heute nichts ist, könnte Stadt werden

Sicher, der Brunnen ist auch heute ein Treffpunkt, aber er steht verloren da, als Solitär. Im Zusammenspiel mit dem Schloss am Ende der Breite Straße schafft er einen neuen Stadtraum, den Schlossplatz. Wo heute nichts ist, wird Stadt – und die Brache am Fuße des Fernsehturms wird frei für eine durchgreifende Umgestaltung. Was für eine Chance für die Planer der modernen Stadt!

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