Berlin : Bundesministerien: Pforten, Schleusen, Scheunentore

Ingo Bach

Türsteher wird es am kommenden Wochenende in Berlin eine Menge geben: Denn erfahrungsgemäß bilden sich an den Tagen der offenen Tür vor den Bundesministerien lange Schlangen. Zeit genug also, ein paar Gedanken auf die Eingänge zu verwenden, die man gleich durchschreiten möchte.

Mit "Glück auf!" begrüßt das schmiedeeiserne Tor die Besucher des Verkehrsministeriums. Das ist keine neue Kampagne von Kurt Bodewig für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, sondern ein Hinweis auf die Vergangenheit des Ministeriums. In den Jahren 1875 bis 1878 baute man das Haus für die Preußische Geologische Landesanstalt. Daher auch das noch deutlich sichtbare Emblem der Bergleute: gekreuzte Hämmer.

Das weitläufige Justizministerium besteht aus mehreren Gebäuden. Der Haupteingang führt durch die von Carl Gotthard Langhans 1787 errichteten Mohrenkolonnaden in den dahinter befindlichen Prausenhof. Das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg zu 50 Prozent zerstört war, hat die DDR in den 50er Jahren restauriert und eine neue Tür eingesetzt. "Das Tor landete nach dem Umbau auf dem Schrott", sagt der für die Berliner Bundesbauten zuständige Abteilungsleiter Gerhard Zodtner. Es entsprach nicht den Sicherheitsstandards, die das Bundeskriminalamt an Zugänge zu Bundesministerien stellt. Stattdessen baute man ein Schleusensystem ein: aus Sicherheitsglas, das gegen Steinwürfe und ähnliches geschützt ist. Also haben Sie Geduld! Steinewerfer kommen auch nicht früher hinein.

Auch die Einfahrt zum Wirtschaftsministerium schützt eine Schleusenanlage vor ungebetenem Besuch. Modern und praktikabel. Der interessantere Zugang ist jedoch der von der Invalidenstraße aus. Hier befindet sich noch das historische Portal von 1910, als man das Gebäude für die Militärärztliche Akademie errichtete. Eine schwere Eichentür, denn die Akademie sollte Pracht ausstrahlen. Zu Mauerzeiten ließ die DDR-Regierung diesen Eingang zum Grenzstreifen zumauern. Eiche reichte nicht mehr aus, um den Freiheitswillen der DDR-Bürger zu brechen. Und auch jetzt wird die Pforte nur zu repräsentativen Anlässen, wie beispielsweise einem Wirtschaftsgipfel, geöffnet.

Deutsche Eiche war in der wilhelminischen Ära ein beliebter Stoff, um Fremde ein- und auszusperren. Das so genannte Kleisthaus aus dem Jahre 1912 hatte ebenfalls Eichentüren. Nun residiert hier das Arbeits- und Sozialministerium. Das Material ist bekanntlich ein sehr widerstandsfähiges und so blieb das Tor bis ins 21. Jahrhundert erhalten. Erfahrene Zimmerleute arbeiteten die Tür wieder auf.

Gusseiserne Torflügel schirmen die Chefin des Verbraucherschutzministeriums Renate Künast ab. Das Haus war um 1900 für das "Kaiserliche Geheime Civilkabinett" gebaut worden - vergleichbar dem heutigen Bundespräsidialamt. Die Flügel sind noch im Original erhalten. Mit Hilfe von Historikern und nach den Vorgaben der Denkmalschützer arbeiteten Kunstschlosser diese Tür wieder auf. "Nur wenige Handwerksbetriebe beherrschen sowas noch", sagt Zodtner.

Denkmalschützer waren es auch, die verhinderten, dass beim Umbau der ehemaligen Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR zum Forschungsministerium der alte Eingang verändert wurde. War es doch eine besondere Tür, denn auf diesen vermeintlichen Eingang in die Bundesrepublik richteten sich die Sehnsüchte vieler DDR-Bürger. Gleichzeitig endeten an den Volkspolizisten, die hier Tag und Nacht Wache standen, so viele Träume von einem Leben in Freiheit. Für das Forschungsministerium reichte die Tür nicht mehr aus, auch hier forderte das BKA mehr Sicherheitstechnik. Die jedoch hätte den alten Eingang grundlegend verändert. Also verlegte man den Haupteingang in den neuen Ministeriumsanbau. Der historische Zugang blieb erhalten, ist aber nicht mehr benutzbar.

Die Preußische Lebensversicherungs-Actiengesellschaft hatte genug Geld im Tresor, um sich für ihren Sitz geschmiedete Türen zu leisten. Sicher waren die auch als Schutz gedacht. Nun nahm das Gesundheitsministerium in dem 1906 vollendeten Bau Quartier. Die Originaltüren sind verschollen, die Baumeister, die das Gebäude seit 1995 umbauten, empfanden die jetzigen Türen den historischen Vorbildern nach. Doch jetzt haben wir genug vor der Tür gestanden - lasst uns endlich rein!

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