• Bundesrat: Mit 10 000 Kartons an die Spree - die Länderkammer zieht ins Preußische Herrenhaus

Berlin : Bundesrat: Mit 10 000 Kartons an die Spree - die Länderkammer zieht ins Preußische Herrenhaus

Eva Schweitzer

Gerade noch schneiden die Gärtner die Buchsbaumhecken vor dem ehemaligen Preußischen Herrenhaus zurecht, bevor die Bonner kommen: Der Bundesrat lässt am morgigen Freitag, nach der letzten Sitzung in Bonn, die Kisten und Koffer packen, am 29. September trifft sich die Länderkammer erstmals in Berlin. Rund 160 Mitarbeiter werden das für 200 Millionen Mark restaurierte Gebäude an der Leipziger Straße beziehen, nur eine Außenstelle mit 22 Bediensteten bleibt vorläufig am Rhein.

Mehr als 30 Lkws, die rund 10 000 Umzugskartons transportieren, werden in der kommenden Woche gen Osten rollen. Die Bibliothek, die Registratur und die Dokumentation mitsamt den dort arbeitenden Menschen befindet sich bereits seit vergangener Woche im neuen Domizil. Hingegen müssen die Pressestelle, die Ausschussbüros, das Präsidialbüro und der Parlamentsdienst noch bis Freitagabend in Bonn bleiben. Beim Bundesrat haben - wie bei Ministerien und dem Bundestag - viele Mitarbeiter des einfachen Dienstes die Stelle getauscht, so dass die Zahl der tatsächlich umziehenden Menschen unter 100 liegt.

Der Bundesrat, die Vertretung der 16 Bundesländer, hatte eigentlich kurz nach dem Umzugsbeschluss des Bundestages vom Juni 1991 entschieden, in Bonn zu bleiben. Dies wurde jedoch am 27. September 1996 revidiert, nach langen Debatten und auf Drängen einerseits von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der um den Einfluss der Länder fürchtete, wenn der Kanzler in Berlin weitab residiere, andererseits auf Druck der neuen Bundesländer und Berlins. Der amtierende Bundesrats-Präsident, Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) ist es auch, der am Freitag die Abschiedsrede in Bonn halten wird.

Es hat aber schon vor dem Umzugsbeschluss des Bundesrates Pläne gegeben, das Verfassungsorgan in Berlin unterzubringen. Nach dem städtebaulichen Konzept für den Spreebogen war für die Länderkammer ein Neubau geplant, südlich des Kanzleramtes und gegenüber vom Reichstag. Diese Planung wurde jedoch nicht weiterverfolgt. Das ehemalige Preußische Herrenhaus wiederum war zu diesem Zeitpunkt für die Unterbringung der sechs Kopfstellen der Ministerien vorgesehen, die in Bonn bleiben. Ende 1996 wurde jedoch entschieden, das Haus für den Bundesrat zur Verfügung zu stellen, da es über einen Plenarsaal verfügt.

Dieser war damals allerdings stark renovierungsbedürftig; das Gebäude war eine halbe Kriegsruine. Das Herrenhaus wurde von dem Hamburger Architekten Peter Schweger renoviert, während der Vorgarten zwischen den beiden Flügeln von dem Gartenarchitekten Gustav Lange angelegt wurde, ebenfalls aus Hamburg. In dreieinhalb Jahren Bauarbeiten wurde die gläserne Kuppel über dem 16 Meter hohen Plenarsaal wieder hergestellt. Er bietet nun 140 Plätze, dazu 50 Sitze für das Präsidium und 120 Plätze auf den Tribünen. In den Obergeschossen befinden sich die Büros. Mit 14 000 Quadratmetern Nutzfläche ist das Haus übrigens doppelt so groß wie die Bonner Liegenschaft. Der Empfangssaal des Bundesrats-Präsidenten liegt im Ostflügel, der Länderbereich im Westflügel.

Nicht alles wurde originalgetreu wieder hergestellt. So wurde eine gläserne Zwischendecke unter der Kuppel eingezogen. Einige tragende Wände wurden versetzt. Das Dach ist ganz neu. Auch sind Marmor- und Stuck-Applikationen an einigen Stellen zu sehr zerstört worden, als dass sie restauriert hätten werden können. Sieben Figuren auf dem Dach, die sieben Ministerien symbolisiert haben, gingen verloren, sie wurden von dem dänischen Künstler Peer Kierkeby in moderner Form nachempfunden.

In dem alten Haus des Bundestages in Bonn nahe dem Rheinufer wird zunächst die Bonner Außenstelle bleiben. Diese wird die sechs Ausschüsse des Bundesrates betreuen, die für die Ministerien mit Hauptsitz Bonn zuständig sind; der Agrarausschuss, der Gesundheitsausschuss, der Ausschuss für Kulturfragen, der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, der Ausschuss für Fragen der Europäischen Union und der Ausschuss für Verteidigung. Weitere Pläne für den Bau sind nicht bekannt.

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