Berlin : Bundesrat will keine Straßenbahn vor dem neuen Amtssitz

Klaus Kurpjuweit

Stopp des Gleisbaus auf der Leipziger Straße verlangt - Die Planer zeigen UnverständnisKlaus Kurpjuweit

Auf völliges Unverständnis ist bei Verkehrsplanern die Forderung der Bundesratsverwaltung gestoßen, vor dem Sitz der Länderkammer auf das Legen von Straßenbahngleisen auf der Leipziger Straße zu verzichten. Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) will die Gleise für die geplante Straßenbahn-Verbindung vom Alexanderplatz zum Kulturforum im Zug der derzeitigen Reparaturarbeiten jetzt einbauen lassen. Das Genehmigungsverfahren soll später folgen.

Die Bundesrats-Verwaltungsleiterin Doris Teske verlangte nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" von Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD), der Bau der Straßenbahn auf der Leipziger Straße müsse verhindert werden. Sonst sei es absehbar, dass sich die Mitglieder des Bundesrates bei Sitzungen und Empfängen regelmäßig verspäten würden. Die Ländervertretung will ihren neuen Amtsitz im ehemaligen Preußischen Herrenhaus am 1. August eröffnen. Die einzige Zufahrt zu dem Gebäude liegt an der Leipziger Straße.

"Aufgehalten werden die Politiker viel wahrscheinlicher vom Autoverkehr", sagte gestern ein Planer gegenüber dem Tagesspiegel. Die Leipziger Straße bleibe ein Nadelöhr im Ost-West-Verkehr - mit und ohne Straßenbahn. Das ursprüngliche Ziel der Verkehrsverwaltung, 2000 Autos je Stunde und Richtung durch die Leipziger Straßen zu schleusen, lasse sich auch ohne Straßenbahn nicht erreichen, heißt es in einem Gutachten des Berliner Planungsbüros Stadt- und Regionalverkehr (PSV), das 1998 im Auftrag der Verkehrsverwaltung erstellt wurde.

Der Senat hat nämlich den Querschnitt der Straße zwischen dem Leipziger Platz und der Charlottenstraße auf das historische Maß festgelegt, was zu einer Fahrbahnbreite von 16,50 Meter führt. Zwischen Charlottenstraße und Spittelmarkt ist der in der DDR entstandene Straßenzug dagegen 62 Meter breit. Auf dem schmalen westlichen Abschnitt sollen sich Autos und Bahnen dagegen die Fahrbahn teilen. Unter Mitnutzung der Spur mit den Gleisen gibt es für den Autoverkehr weiter zwei Spuren je Richtung. Durch Ampelschaltungen sollen die Bahnen freie Fahrt bekommen, ohne den Autoverkehr über Gebühr aufzuhalten.

Eine Bevorrechtigung des Autoverkehrs auf der Leipziger Straße, um damit die Leistungsfähigkeit dieser Ost-West-Trasse zu erhöhen, lehnten die Gutachter ab, wiederum unabhängig von der Straßenbahn. Die dann erforderlichen minimalen Freigabezeiten an den Ampelanlagen für den Querverkehr seien aufgrund der starken Belastung nicht zu vertreten. Denn auch auf der Wilhelmstraße als Nord-Süd-Verbindung rechnen die Planer mit 1000 Autos je Stunde pro Richtung. "Weniger Autoverkehr auf der Leipziger Straße verbessert die Situation im gesamten Bereich", sagte der Planer.

Er geht sogar einen Schritt weiter: "Theoretisch könnten die Mitglieder des Bundesrates bei ihren Fahrten zum Amtssitz sogar die freie Trasse der Straßenbahn mit nutzen und ihr Ziel schnell erreichen." Wahrscheinlicher sei aber, dass bei den Protokollfahrten ohnehin der gesamte Bereich jeweils kurzfristig gesperrt werde.

Einen Dauerstau durch die Straßenbahn befürchtet auch der ADAC. Er lehnt die Gleise dort deshalb ebenfalls ab. Der Einbau ist jetzt nach Ansicht der Verkehrsverwaltung möglich, auch wenn es dafür noch keine Genehmigung gibt. Das so genannte Planfeststellungsverfahren, in dem Betroffene ihre Bedenken vorbringen können, sei nur für die Installation der Oberleitung mit ihren Masten erforderlich. Ähnlich war die Verkehrsverwaltung auch beim Einbau der Straßenbahngleise während der Sanierung der Oberbaumbrücke 1994 verfahren. Dort fahren bis heute keine Bahnen.

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