• Bundestag beschäftigte sich mit Vorhaben in Mitte - doch das Gelände gehört gar nicht dem Bund

Berlin : Bundestag beschäftigte sich mit Vorhaben in Mitte - doch das Gelände gehört gar nicht dem Bund

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Im Bundestag kam gestern auf Antrag von ungefähr hundert Abgeordneten das "Einheits- und Freiheitsdenkmal" zur Sprache, das nach dem Wunsch einer Initiative dort errichtet werden möge, wo auf der ehemaligen Schloßfreiheit das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vorm Stadtschloß gestanden hatte. Dahinter fließt die Spree. Die Bundesregierung möge dem Antrag zufolge für ein solches Einheitsdenkmal einen internationalen Wettbewerb ausloben. Aber das Gelände gehört nicht dem Bund, sondern dem Land Berlin. Lediglich der Grund, auf dem der ehemalige Palast der Republik steht, ist Bundeseigentum. Für die ehemalige Schloßfreiheit, die ja jetzt Schloßplatz genannt wird, gibt es noch keinen städtebaulichen Entwurf. Darauf macht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aufmerksam. Im übrigen sei auch das Bezirksamt Mitte zu beteiligen. Wenn die Bundesregierung ein solches Denkmal wünschte, so könne das in einen Platzentwurf einbezogen werden.

Die Denkmalsfrage ist schon ein paar Nachwende-Jahre alt. Sie geht auf eine Initiative zurück, welcher der letzte und erstmals frei gewählte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, wie auch der Journalist Jürgen Engert, der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach, und der frühere DDR-Bürgerrechtler und jetzige CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Nooke angehörten. Sie ließen nie locker. Und sie dachten sich die Sache auch sinnbildlich. Die Bodenberührung - Sockelreste des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals - verstanden sie als "den Witz, ja die Dialektik der Sache". Das von Begas geschaffene Nationaldenkmal zur Reichsgründung - Kaiser Wilhelm I. hoch zu Ross - galt nach Deutung der Einheits-Denkmalpfleger als Bild der "Einheit ohne Freiheit", ihr Denkmal der Einheit sei aber ein "Feiermal", das für "Einheit und Freiheit" stehe. Sie fanden allerlei Zustimmung zumal von Politikern. Es gab aber auch kritische Stimmen. So hatte in einer öffentlichen Diskussion der FU-Historiker Professor Jürgen Kocka die Sockel-Sinnbilderei des Reiterstandbildes einen "historischen Pferdefuß" genannt.

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