Berlin : Bundestagsfraktion erwägt Wiederaufbau - Palast der Republik soll modernisiert werden

Tissy Bruns

Die Grünen wollen das Stadtschloss in Berlin wieder aufbauen und einen Teil des ehemaligen Palastes der Republik modernisieren. Die Bundestagsfraktion hat diesem Vorschlag, der neuen Schwung in die festgefahrene Debatte um das Schlossareal bringen könnte, in dieser Woche zugestimmt. Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, die mit der Berliner Bundestagsabgeordneten Franziska Eichstädt-Bohlig das Konzept erarbeitet hat, verweist darauf, dass dieses Thema auch bei den Grünen lange kontrovers gewesen sei. Sie selbst sei für den Wiederaufbau des Schlosses, Eichstädt-Bohlig eher dagegen gewesen. Sie erhoffe sich von diesem Vorschlag, dass er zu einem Konsens führe. Erste Gespräche mit der SPD seien "hoffnungsvoll" verlaufen.

Ausgangspunkt der Überlegungen sei das gesamte Ensemble um den Schlossplatz und die Frage nach dem künftigen Nutzungszweck. Die historische Rekonstruktion des Schlosses soll sehr langfristig - Vollmer nannte einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren - angelegt sein. Wiederaufgebaut werden soll der Westteil des Stadtschlosses, für die Nutzung streben die Grünen die Ansiedlung einer hochrangigen europäischen Institution an.

In dem modernisierten und umgebauten Palast der Republik sollen Bibliotheken und ein Medienzentrum des Landes Berlin entstehen, das einen dringlichen Bedarf für diesen Nutzungszweck habe. Wie Eichstädt-Bohlig sagte, wird dabei vom ursprünglichen Palast zwar wenig Sichtbares, wohl aber "die gesellschaftliche Erinnerung" bleiben. Erhalten werde in jedem Fall der Sitzungssaal der Volkskammer und damit ein wichtiger Teil der DDR-Geschichte. Dieser könne als Audimax für die Humboldt-Universität, gelegentlich auch für Veranstaltungen des Bundestags genutzt werden.

Für die langfristige Anlage der Schlossrekonstruktion nannte Vollmer finanzielle und politische Gründe. Die Zeit sei aber auch nötig und sinnvoll, um der sachlich schwierigen Rekonstruktion und der künftigen Nutzung Zeit zu geben. Berlin sei in den letzten Jahren so schnell gewachsen, dass es sinnvoll sei, sich bei der Gestaltung dieses zentralen Platzes Zeit zu lassen. Finanziert werden soll das Projekt durch öffentliche Mittel, aber auch durch bürgerschaftliches Engagement einer Stiftung nach dem Beispiel der Dresdner Frauenkirche. Senatssprecher Butz lobte den grünen Vorschlag: "Das Plädoyer passt ausgezeichnet zur Haltung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Berlins historische Mitte wieder herzustellen."

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