Bundestagswahl : CDU gewinnt fünf Direktmandate

UPDATE Fünf Direktmandate für die CDU, nur noch zwei für die SPD – und die Bewerber der Linken holen die meisten Stimmen.

Sabine Beikler,Werner van Bebber

Freude und Frust lagen in der Berliner CDU nah beieinander. Ausgerechnet die Spitzenkandidatin Monika Grütters und der in eigenen Partei CDU geschmähte ehemalige Landeschef Ingo Schmitt waren in einer wahlrechtsbedingten Schicksalsgemeinschaft aneinander gekettet – und gingen fast zusammen unter. Schmitt, Direktkandidat in Charlottenburg-Wilmersdorf war auf der Landesliste nicht abgesichert und verlor mit 1,7 Prozentpunkten Abstand gegen die Sozialdemokratin Petra Merkel. Er wird dem Bundestag nicht mehr angehören. Da zeigte sich, dass im Wahlkreis 81 viele Anhänger der Union tatsächlich „zweimal Merkel“ gewählt hatten. Bei Grütters wiederum wurde die CDU-Landesliste um Haaresbreite nicht berücksichtigt: Fünf Direktmandate für die CDU bei einem Zweitstimmeanteil, der sechs Sitze im Bundestag garantiert.

Insgesamt konnte die Berliner CDU, neuerdings wieder stärkste Partei in der Stadt, vier Mandate mehr als 2005 holen: Damals holte nur der CDU-Direktkandidat Karl-Georg Wellmann in Steglitz-Zehlendorf ein Mandat. Wellmann siegte auch diesmal gegen seinen SPD-Kontrahenten Klaus Uwe Benneter. Es war am späten Sonntagabend offen, ob Benneter über die Landesliste noch einmal in den Bundestag gelangt. In Neukölln konnte sich die CDU-Kandidatin Stefanie Vogelsang gegen Fritz Felgentreu (SPD) durchsetzen. Damit wird Vogelsang dem Bundestag angehören. In Reinickendorf siegte der CDU-Kandidat Frank Steffel deutlich vor seinem SPD-Kontrahenten Jörg Stroedter.

Die Wahlniederlage im Zweitstimmenergebnis der SPD spiegelt sich deutlich bei den Direktmandaten wieder. Errang die Partei 2005 noch sieben Direktmandate, holte sie bei der Bundestagswahl 2009 nur noch zwei in Berlin: Eva Högl in Mitte – und Petra Merkel in Charlottenburg-Wilmersdorf. Ein Kopf-an-Kopf- Rennen lieferten sich in Pankow die Kandidaten Wolfgang Thierse (SPD) und Stefan Liebich (Linke). Er gewann das Mandat mit knapper Mehrheit (29 Prozent) vor Thierse (27,3 Prozent). Der Bundestagsvizepräsident hatte das Mandat in Pankow 2002 und 2005 direkt gewonnen. Thierse wird dem nächsten Bundestag wieder angehören, denn er ist auf dem ersten Platz der SPD-Landesliste abgesichert.

Bei den Sozialdemokraten gab es weitere Verlierer: Mechthild Rawert konnte in Tempelhof-Schöneberg ihr SPD-Mandat gegen den CDU-Herausforderer Jan-Marco Luczak nicht verteidigen. Ob Rawert, die auf Listenplatz vier nominiert wurde, dem Bundestag weiter angehören wird, war am späten Abend offen. Besser als Rawert schnitt die Direktkandidatin der Grünen, Ex-Verbraucherschutzministerin Renate Künast ab. Sie holte 26,3 Prozent der Erststimmen; Rawert gewann 22,6 Prozent der Stimmen.

In Spandau verlor der Sozialdemokrat Swen Schulz sein Direktmandat an den CDU-Kandidaten Kai Wegner. Ob Schulz dem Bundestag wieder angehören wird, war bei Redaktionsschluss ebenfalls offen.

Drei Direkt-Kandidaten der Linken gehören zu den großen Gewinnern der Bundestagswahl 2009: Gregor Gysi siegte in Treptow-Köpenick mit 44,8 Prozent vor dem CDU-Herausforderer Niels Korte. Der bekannte SPD-Politiker Kajo Wasserhövel kam nur auf 18,2 Prozent der Erststimmen.

Gesine Lötzsch, Haushaltspolitikerin der Linken im Bundestag, gewann in Lichtenberg mit 47,6 Prozent der Erststimmen den Wahlkreis. Das berlinweit beste Erststimmenergebnis erzielte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau: Sie siegte in Marzahn-Hellersdorf mit 47,7 Prozent Erststimmenanteil. Ihr unterlag Monika Grütters mit 19,5 Prozent vor dem SPD-Bewerber Rudi Kujath.

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