Bundestagswahl in Lichtenberg : Auch die Grünen gegen Gesine Lötzsch

So wie die SPD ärgern sich auch die Grünen über die "Inbesitznahme" des Ost-Berliner Bezirks Lichtenberg durch die Linkspartei. Für die Bundestagswahl könnte das heißen: Um dem SPD-Bewerber gegen Gesine Lötzsch zu helfen, verzichten sie auf den Kampf um Erststimmen für ihren Kandidaten.

von
Gesine Lötzsch am Samstag auf dem Landesparteitag der Berliner Linken
Gesine Lötzsch am Samstag auf dem Landesparteitag der Berliner LinkenFoto: dpa

Bei den Grünen gehören sie zu den Nachzüglern: Lichtenberg ist neben Spandau der einzige der zwölf Bundestagswahlkreise in Berlin, für den die Partei noch keinen Direktkandidaten nominiert hat. Bewerber gibt es auch noch nicht, aber mit dem 13. April nun einen Wahltermin. Doch womöglich ist es auch ziemlich egal, wen die Grünen am 22. September gegen die Linken-Politikerin Gesine Lötzsch ins Rennen schicken, die den Ost-Bezirk seit 2002 stets gewonnen hat. Denn: Der Lichtenberger Grünen-Kreischef Sascha Clucas sagte am Dienstag dem Tagesspiegel, es müsse „noch diskutiert werden, mit welcher Intensität wir Direktwahlkampf machen“.

Die Grünen meinen, dass – wenn überhaupt - nur ein Bewerber der 51-jährigen Lötzsch das Direktmandat streitig machen könnte: der Sozialdemokrat Erik Gührs, der 30 Jahre jung ist und aus dem Kiez kommt. Er war am Wochenende nominiert worden – und will, wie er sagt, der früheren Linken-Bundeschefin das Mandat „abjagen“. Dem Grünen-Kreischef Clucas wäre ein solches Signal „gegen die Inbesitznahme des Bezirkes durch die Linke“ ebenfalls recht. Das Duell könnte bundespolitische Bedeutung gewinnen, wenn die Linke an der Fünfprozenthürde scheitern und drei Direktmandate in Berlin für den Einzug in den Bundestag benötigen sollte.

Die CDU hat schon im August den 28-jährigen Martin Pätzold als Kandidaten für den Wahlkreis 86 benannt, er ist Hohenschönhausener wie Lötzsch und Gührs. Im Kreisverband rechnet man mit einem Dreikampf um die Erststimmen. Die Christdemokraten glauben aber nicht, dass der weithin bekannten Lötzsch das Direktmandat abzunehmen ist. Pätzold steht zusätzlich auf dem relativ aussichtsreichen Platz sieben auf der CDU-Landesliste für die Bundestagswahl, Lötzsch nimmt Platz drei auf der Linken-Landesliste ein. Die Berliner SPD stellt ihre Liste erst im Mai auf. Gührs kann nicht damit rechnen, dass er dort abgesichert wird.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

25 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben