Bundestagswahl : SPD-Basis entscheidet erstmals über Kandidaten

21 Genossen treten für zwölf Wahlkreise an. Während in den Westbezirken größtenteils bekannte Kandidaten antreten, gehen Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau bei der Auswahl neue Wege.

Ulrich Zawatka-Gerlach

BerlinEin Jahr vor der Bundestagswahl drängeln sich in der Berliner SPD schon die Bewerber. In mindestens fünf Kreisverbänden wird es Kampfkandidaturen geben. In Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau haben die Sozialdemokraten deshalb beschlossen, erstmals die Parteibasis abstimmen zu lassen, wer für die SPD im Bundestags-Wahlkreis antritt.

Im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg, der auch Ost-Prenzlauer Berg umfasst, geht mit Björn Böhning ein prominenter Sozialdemokrat ins Rennen. Der Sprecher der SPD-Bundeslinken, Mitglied des Parteivorstands und Planungschef des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit muss sich bei der Mitgliederbefragung erst noch gegen den Integrationspolitiker Ahmet Iydirly und den Bundestags-Mitarbeiter Harald Georgii durchsetzen. Beide traten schon bei der Bundestagswahl 2005 für die SPD an, der eine in Berlin, der andere am Bodensee, allerdings ohne Erfolg.

Im Wahlkreis Spandau, zu dem auch Charlottenburg-Nord gehört, muss der SPD-Bundestagsabgeordnete und Berliner Landesgruppenchef Swen Schulz gegen die Journalistin und Krimi-Autorin Ulrike Sommer antreten – die Ehefrau des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer. Auch dort sollen die Parteimitglieder per Urnen- und Briefwahl entscheiden, wer die SPD in den Wahlkampf führt. Dies beschloss der Kreisvorstand Spandau am Montagabend.

Kandidatenfrage in Westbezirken weitgehend geklärt

In anderen SPD-Bezirksverbänden stehen bekannte Gesichter unangefochten zur Wahl: Der Vize-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (Mitte), der Justitiar der SPD-Bundestagsfraktion Klaus-Uwe Benneter (Steglitz-Zehlendorf), die Haushaltsexpertin Petra Merkel (Charlottenburg-Wilmersdorf) und der Wirtschaftsfachmann Ditmar Staffelt (Neukölln). Alle vier kennen das Bundesparlament gut. In Reinickendorf tritt der Berliner Abgeordnete Jörg Stroedter an, in Marzahn-Hellersdorf Rudolf Kujath, der bis 2007 Chef des kommunalen Wohnungsunternehmens „Stadt und Land“ war. In Lichtenberg wollen sich der SPD-Kreischef Matthias Geisel und die Vize-Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Karin Seidel-Kalmutzki, gütlich einigen, wer für die SPD den Wahlkampf bestreitet.

In Treptow-Köpenick, dem Wahlkreis Gregor Gysis, geht es turbulenter zu. Der SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel bewirbt sich dort, aber auch die Bezirkspolitiker Oliver Igel und Ralf Thiess. Der Unternehmer Harald Christ hat abgesagt. Dort entscheidet aber nicht die SPD-Basis, sondern eine Delegiertenversammlung. Das gilt auch für die SPD in Mitte, wo der Berliner Abgeordnete Ralf Wieland, die Referatsleiterin im Bundeswirtschaftsministerium Eva Högl und der Gewerkschafter Frank Kirstan konkurrieren. Und in Tempelhof-Schöneberg fordert der Bundestags-Mitarbeiter Serge Embacher die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert heraus.

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