Bundesvision Song Contest 2012 : Die Stimme aus dem Märkischen Viertel
28.09.2012 00:00 UhrStadtrand? Ach, super dort. Robert Edward Davis ist im Märkischen Viertel aufgewachsen, und auch heute lebt er mit seinen drei Kindern weit weg und genießt die Ruhe. „Wenn ich Bock auf Trubel hab’“, erzählt der 32-Jährige, „dann fahr’ ich nach Mitte, Kreuzberg, Neukölln.“ In den Sage Club zum Beispiel, ins 40Seconds, oder auch mal in den Tresor.
Nur im Berghain war er noch nie. „Ich hab’ Angst, dass ich da am Türsteher nicht vorbeikomme.“
Vielleicht kann Davis seine Chancen an der Berghain-Tür ein wenig bessern. Er ist heute im Fernsehen zu sehen beim „Bundesvision Song Contest“ (wobei das natürlich auch eine Gefahr ist, Moderator ist nämlich Stefan Raab). Robert Edward Davis, der sich als B-Tight in der Hip-Hop-Szene einen Namen und auch Bekanntschaft gemacht hat mit den Jugendschutzbehörden (drei seiner Alben wurden indiziert), reimt sich aber nicht mehr durch die Gosse. „Nach zwölf Jahren Hip-Hop wollte ich mal was anderes machen“, sagt der gebürtige US-Amerikaner. Und was macht er nun? „Hardcoremetalrap!“ Sagt Stefan Raab und schaut den Berliner Musiker gleich mal fragend an. „Ja“, sagt der und lächelt. „Singen hören werdet ihr mich nie. Das braucht kein Mensch.“ Ein harter Rapper sei er aber nicht mehr, meint Raab: „Der Streetflavour ist weg – du siehst so kuschelig aus.“
Millionen Menschen werden das am heutigen Freitagabend (20.15 Uhr, live auf Prosieben) sehen können. 16 Bundesländer, 16 Musiker – so einfach sind die Spielregeln in der Max-Schmeling-Halle. Für Berlin tritt in diesem Jahr B-Tight an und hat sich Unterstützung von einer Münchener Rockband namens Emil Bulls und zwei Berliner Musikern geholt. Gemeinsam nennen sie sich nun B-Tight-Playaz. Der Song heißt „Drinne“.
Die Konkurrenz ist nicht klein, die Vorjahressieger keine Unbekannten. Als große Favoriten gilt das Duo Xavas, das für Baden-Württemberg antritt, was allerdings ein bisschen gemogelt ist. Hinter dem Namen steckt einerseits Xavier Naidoo und andererseits Kool Savas, der zwar in Heidelberg lebt, aber den Großteil seines Lebens in Kreuzberg verbrachte und mit seinen Jungs durch die Clubs der Stadt gezogen ist. „Für mich ist Dabeisein nicht alles, ich will gewinnen“, sagt der Rapper. Der Wettbewerb gastiert bereits zum dritten Mal in Berlin. Der Friedrichshainer Tim Bendzko („Nur noch kurz die Welt retten“) holte ihn mit dem Sieg im vergangenen Jahr in die Stadt und ist seitdem auf so ziemlich jedem Radiosender zu hören.
Zuvor hatte die Kreuzberger Band Seeed und deren Frontmann Peter Fox („Schwarz zu Blau“) als Solokünstler gewonnen. Damit führt Berlin mit drei Titeln die Sieger-Rangliste an. Seeed werden am heutigen Abend auch in der Max-Schmeling-Halle auftreten. Sie präsentieren zwei Songs aus ihrem neuen Album, das heute erscheint. Für Hamburg tritt König Boris an – allerdings nicht mit seiner Stammband Fettes Brot, sondern als Solokünstler unter dem Namen „Der König tanzt“. Und für Mecklenburg-Vorpommern gehen The Love Bülow ins Rennen.






























