Berlin : Bundeswehr: Blücherkaserne offenbar dicht vor Verkauf

Jörn Hasselmann

Die Bundeswehr speckt ab und lässt leere Flächen zurück. Schlecht sind etwa die Aussichten für die Spandauer Blücherkaserne: Generalinspekteur Harald Kujat wollte am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang nicht dementieren, dass die Kaserne in Kladow geschlossen und das Areal verkauft werden soll. Der Tagesspiegel hatte diese Planung der Bundeswehr öffentlich gemacht. Die Truppe muss ab diesem Jahr mindestens eine Milliarde Mark jährlich durch den Verkauf von Liegenschaften erlösen.

Bei dem Empfang in der Julius-Leber-Kaserne hatte der Präsident des Abgeordnetenhauses, Reinhard Führer, den Generalinspekteur eindringlich gebeten, in Berlin auf Standortschließungen zu verzichten. "Ich bitte und dränge Sie, diese Einheit in Berlin zu lassen." Kujat antwortete mit einem Versprecher: "Das Jägerbataillon war immer ein Vorzeigeverband, den wir hier hatten." Das mit dem Vorzeigeverband stimmt, und er ist die einzige kämpfende Einheit in Berlin. Doch die Mannschaftsstärke der Bundeswehr wird bis 2004 von 314 000 auf 282 000 Mann verkleinert. Und schon jetzt stehen in Deutschlands Kasernen 60 000 Betten leer. Unterhalt und Sanierung kosten jedes Jahr sieben Milliarden Mark - und das Geld ist nicht mehr da. "Wir haben zu viele Kasernen", sagte Kujat dem Tagesspiegel: "Mein Herz schlägt für diesen oder jenen Standort, die Vernunft spricht dagegen."

Die endgültige Entscheidung über die Standortschließungen der Bundeswehr soll noch in diesem Monat fallen, sicherte Kujat zu. Die von der Bundeswehrführung erarbeitete Liste liegt fertig im Verteidigungsministerium. In der nächsten Woche will Verteidigungsminister Scharping mit den Ministerpräsidenten sprechen, auch mit dem Regierenden Bürgermeister Diepgen.

Da jedoch grundsätzlich alle Länderchefs "ihre" Kasernen behalten möchten, ist nicht zu erwarten, dass es in der Liste noch zu großen Änderungen kommen wird.

In der 40 Hektar großen Blücherkaserne in Kladow sind derzeit nur 780 Mann stationiert. Der Verkauf des für Wohnungsbau attraktiven Areals am Stadtrand muss nicht automatisch die Auflösung des Bataillons bedeuten.

Denn die Soldaten könnten zum Beispiel auch in die General-Steinhoff-Kaserne in Gatow ziehen. Dort sind auf 150 Hektar nur 1000 Mann stationiert. Auch in der 80 Hektar großen Julius-Leber-Kaserne im Wedding sind nur 1500 Mann stationiert - weite Areale sind ungenutzt. Im einstigen Quartier Napoleon waren zu Zeiten der Alliierten 6000 Soldaten stationiert. Heute rächt sich die zögerliche Sanierung der Julius-Leber-Kaserne. Seit sechs Jahren schon wird renoviert, weitere sechs Jahre brauche man noch, hieß es gestern. Wäre die Entscheidung, das Jägerbataillon dort zu stationieren, früher gefallen, könnten die 780 Jäger heute problemlos umziehen.

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