Berlin : Bundeswehr: Die Truppe ist gewarnt: 2000 Kräfte sichern Gelöbnis

Jörn Hasselmann

Am 20. Juli sind Proteste gegen das Rekrutengelöbnis der Bundeswehr neben dem Bendlerblock geplant. Schon vor Beginn der Zeremonie am Freitag beginnt am Wittenbergplatz eine Demonstration, die um 18 Uhr, also "zeitgleich mit dem Gelöbnis", am Verteidigungsministerium mit einer Kundgebung enden soll.

Die frühere Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth und der Widerstandskämpfer Peter Gingold sollen ihre Protest-Reden halten, während 600 Rekruten der 2. und 6. Kompanie des Wachbataillons ihre Treue geloben. Die Gelöbnisansprache auf dem Appellplatz wird der Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, vor etwa 2000 geladenen Gästen halten.

Die Polizei will das Gelände weiträumig abriegeln, damit die Zeremonie nicht gestört werden kann. Die Bundeswehr ist vorsichtig geworden. Denn 1999 war es den Kriegsgegnern wegen lässiger Zugangskontrollen gelungen, die militärische Zeremonie massiv zu stören. Zwei Dutzend Demonstranten hatten es geschafft, mit gefälschten Einladungen auf den Appellplatz zu gelangen und dort völlig überraschend ein politisches Happening zu inszenieren. Im Internet und in linken Szeneblättern wie der "Interim" wird jetzt wieder dazu aufgerufen, "öffentliche Gelöbnisse zu verhindern". "Bringt Aktentaschen mit", heißt es dort weiter - in Taschen hatten die Gegner 1999 Transparente, Sirenen und Knallfrösche auf das Gelände geschmuggelt. Hinterher hatten mehrere hohe Offiziere die Aktion voller Respekt als "militärisch straff organisiert" bezeichnet.

Ein neuerlicher Coup wird den Militärgegnern in diesem Jahr kaum gelingen. Denn die Einlasskontrollen werden extrem rigoros sein. Alle Gäste und Journalisten sind namentlich bekannt und müssen sich an den Sperren ausweisen. Etwa 2000 Polizisten und Feldjäger der Bundeswehr werden den Appellplatz sichern. Jedoch werden wie im Vorjahr spontane Proteste im Umfeld erwartet. So waren im Vorjahr 50 Personen festgenommen worden, die die Julius-Leber-Kaserne blockieren wollten.

In den Jahren 1996 und 1998 hatte es die ersten beiden "öffentlichen" Gelöbnisse von Rekruten gegeben - begleitet von Tumulten und Schlägereien mit der Polizei sowohl vor dem Roten Rathaus als auch vor dem Schloss Charlottenburg. Im vergangenen Jahr hatte Verteidigungsminister Scharping angekündigt, Ort und Datum zu einer Tradition werden zu lassen. Am 20. Juli 1944 war das Attentat auf Hitler gescheitert, im heutigen Bendlerblock war das Zentrum des militärischen Widerstandes.

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