Berlin : Bundeswehr, Geschäfte, Galerien

Koalition will Mischnutzung für den Flughafenbau: Es gebe genug Platz für Bundesbehörden und private Investoren

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Wie lässt er sich nutzen, der 1230 Meter lange Flughafenbau in Tempelhof, der neben dem Pentagon und dem Bukarester Justizpalast zu den drei größten Gebäuden der Welt gehört? Die Stadtentwicklungsbehörde des Senats kündigte gestern an, „die Gespräche mit dem Bund darüber jetzt zu intensivieren“.

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts zur Schließung des City-Airports müsse man gemeinsam überlegen, wie der Komplex wirtschaftlich nutzbar gemacht werden könne, sagte eine Sprecherin der Verwaltung. 87 Prozent der Gebäudefläche gehören dem Bund, der Rest Berlin. Der Senat ist durchaus optimistisch. Nun komme Bewegung in die Debatte, hieß es gestern. In den Regierungsfraktionen SPD und Linkspartei/PDS wird eine Mischnutzung favorisiert: Bundesbehörden und private Investoren sollten sich Tempelhof teilen.

Der Vorschlag der Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig, das Bundesverteidigungsministerium von der Bonner Hardthöhe an den Platz der Luftbrücke zu verfrachten, findet Anklang bei Rot-Rot. Vielleicht ließe sich auch die Bundeswehr oder die Bundeszollverwaltung gewinnen, sagte der baupolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Daniel Buchholz. Und die PDS-Verkehrsexpertin Jutta Matuschek erinnerte den Bund an sein Konzept „des sparsamen Umgangs mit Bundesimmobilien“.

Denn sobald der Flugbetrieb in Tempelhof eingestellt wird, fällt die Immobilie an den Eigentümer zurück, inklusive der Bewirtschaftungs- und Unterhaltungskosten. Das Bundesverkehrsministerium hatte schon 2004 gegenüber dem Bundestag bestätigt, dass das Gebäude nach einer Flughafenschließung für eigene Dienststellen genutzt oder an private Investoren verkauft werden soll.

Beides schließe sich nicht gegenseitig aus, meinen die Fachleute der SPD und Linkspartei, unterstützt von den Grünen. Ein großes Ministerium könne die 24,2 Hektar Nettogeschossfläche allein nicht füllen und Eichstädt-Bohlig warnte auch davor, „sich nur auf einen großen Privatinvestor zu konzentrieren“. Das Gebäude solle abschnittsweise entwickelt werden. „Jede vernünftige wirtschaftliche Initiative ist hoch willkommen“, verspricht der SPD-Mann Buchholz. Und Matuschek plädiert für einen Ideenwettbewerb für alle möglichen gewerblichen oder auch kulturellen Unternehmungen.

Bund und Land seien offenbar völlig ratlos, kommentierte Christian Wiesenhütter, Vize-Geschäftsführer der Berliner IHK, solche Überlegungen. Ohne Flugbetrieb werde Tempelhof eine „nicht nutzbare Oase“. Bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben behielt sich der Behördenchef Dirk Kühnau eine Auskunft vor. Jedoch war er für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. za

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