Berlin : Bunker ziehen immer

Zum Tag der offenen Denkmäler können 330 Bauten besichtigt werden

Sebastian Leber

Dass Denkmäler langweilig sind, hält Christine Wolf für ein böses Gerücht. Sobald die Mitarbeiterin des Landesdenkmalamts einen Turm oder eine Kirche sieht, ist sie „hin und weg und will da rein“. Dazu bekommt sie heute und morgen jede Menge Gelegenheit: 330 denkmalgeschützte Bauten sind dieses Jahr beim „Tag des offenen Denkmals“ dabei – darunter auch viele, die den Rest des Jahres verschlossen bleiben. 65000 Besucher kamen im vorigen Jahr, auf ebenso viele hofft Christine Wolf auch diesmal. Weil fast alle Angebote kostenlos sind, kann es an manchen Orten zu Warteschlangen kommen. Zum Beispiel bei den Bunkern – „die ziehen immer“, sagt Wolf. Für einige Bunker musste man sich bereits vor Wochen anmelden, die Hochbunker Zwieseler Straße in Lichtenberg (an beiden Tagen 11-16 Uhr) und Wittenauer Straße in Reinickendorf (Vortrag und Führung am Sonntag ab 14 Uhr) sind auch so zugänglich. Gleiches gilt für den 14 Meter hohen Betonklotz in der General-Pape-Straße in Tempelhof, der nur von außen wie ein Bunker aussieht. Was es mit dem Bau auf sich hat und warum er trotzdem zum diesjährigen Schwerpunktthema „Krieg und Frieden“ passt, erfahren die Besucher am heutigen Sonnabend um 14 Uhr.

Spannend wird es auch in der Evangelischen Parochialkirche in der Klosterstraße 66 in Mitte (heute 14-16 Uhr, morgen 13-16 Uhr). Hier darf ausnahmsweise die Gruft besichtigt werden – inklusive der Mumien aus dem 18. Jahrhundert. Noch weiter in die Tiefe geht es am Kreuzberger U-Bahnhof Moritzplatz: Dort gibt es morgen von 10 bis 18 Uhr Tunnelabschnitte zu sehen, die in den 20er Jahren gebaut, aber niemals in Betrieb genommen wurden. Auch eine Reihe von Kirchtürmen kann bestiegen werden, zum Beispiel die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (an beiden Tagen um 15, 16 und 17 Uhr) und die Zionskirche in Mitte (an beiden Tagen 15-18 Uhr). Am Sonntagvormittag lädt Landeskonservator Jörg Haspel zu einem „Spaziergang durch das mittelalterliche Berlin“ ein, Treffpunkt ist um 10 Uhr vor dem Maxim-Gorki-Theater (Am Festungsgraben 2). Großes Gedränge erwarten die Veranstalter wie im Vorjahr am Westturm der Oberbaumbrücke. Der ist morgen von 10 bis17 Uhr geöffnet. Aber Achtung: Am Nachmittag beginnt dort die alljährliche „Brückenschlacht“, bei der sich Jugendliche mit Obst und Gemüse bewerfen. Christine Wolf vom Landesdenkmalamt sieht das gelassen: „Unsere Besucher sind ziemlich intelligent und werden ihre hellen Blusen schon aus der Schusslinie halten.“

Das komplette Programm steht im Internet unter www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal. Außerdem gibt es ein Info-Telefon unter 25796771, das heute und morgen von 8 bis 18 Uhr besetzt ist.

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