Berlin : Bunte Botschaft

Britische Vertretung lud Tagesspiegel-Leser ein

Alexander Schäfer

Hier grüßte die Queen auf einem Podest stehend, und hier zeigte sich Robbie Williams den Fans: auf dem Balkon der britischen Botschaft. Zum Abschluss der Sonderführung aus Anlass des fünften Geburtstages des Hauses durften die Besucher auch mal Königin und Popstar spielen und zumindest dem abgesperrten Straßenteil der Wilhelmstraße 70/71 zuwinken.

Doch zuerst ging es durch die flughafenartigen Durchleuchtungskontrollen am Eingang. Dann durch den Ein-Baum-Innenhof, der mit seiner englischen Stieleiche an die Berliner Mietskasernen erinnert. So jedenfalls erklärt es Julia Müller, die stellvertretende Abteilungsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit, bei ihrer Führung durch die Botschaft.

Die alte britische Botschaft wurde 1875 eröffnet, damals noch als klassizistisches Bürgerpalais. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb durch Bomben nur noch eine Ruinenlandschaft davon übrig.

Nach der Wende und der Verlegung des gesamtdeutschen Regierungssitzes nach Berlin gab es eine Architekturausschreibung, die 1995 das Büro Michael Wilford and Partners gewann. Drei Jahre später war Baubeginn und im Juli 2000 schließlich Eröffnung. Michael Wilford baute unter anderem den Erweiterungsbau der Staatsgalerie in Stuttgart – die bunte moderne Kunst im Inneren erinnert daran. An der Brandmauer zum Adlon trug der Künstler David Tremlett erdige Farbflächen auf. Was im Wintergarten im ersten Stock oft als Design- Aschenbecher missbraucht wird, ist die Skulptur „Turning the World Inside Out“ von Anish Kapoor. Zumindest viel Spaß an diesem Objekt der Selbstbespiegelung hatte der kleine Maximilian.

Nicht alle Besucher waren von der lichtdurchfluteten Architektur restlos begeistert. Einige fragten sich, warum denn so viel Platz für den großzügigen Wintergarten und Innenhof investiert wurde. Pit Odenthal, selbst Architekt, hätte sich mehr Naturstein im Inneren gewünscht. Seiner Frau Dagmar gefiel dagegen der verspielte Wechsel der Formen. Alexander Bluhm und Jakob Mainert hätten gern weniger über die Architektur als über die Arbeit des Botschafters erfahren. Johannes Möhrl zeigte sich verwundert, dass innerhalb der Botschaft nichts an den Londoner U-Bahnterror erinnere. „Ein Kondolenzbuch hätte ich mir schon vorgestellt“, sagte Möhrl.

Dafür wurde das farbliche Rätsel um die hellblauen und lila Elemente aus dem Mauerwerk Wilhelmstraße geklärt. Die britische Flagge besteht ja aus den Farben Weiß, Blau und Rot. Und wenn man Weiß mit Blau mische, erhalte man Hellblau; Blau und Rot ergibt dann eben Lila.

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