Berlin : Bunte Haare, bunte Küche

Susanne Vössing, die Vorzeigeköchin aus dem Fernseh-„Kochduell“, gastiert im Hyatt

Bernd Matthies

Diesmal sind die Haare rot. Vorn eher paprika, hinten mehr blond. Sie waren auch schon mal blau oder grün, und im Fernsehen sind sie meistens weißblond. Susanne Vössing hat sich den bunten Strubbelkopf als Markenzeichen genommen – doch Äußerlichkeiten sind nicht der Grund ihres Erfolgs. Denn sie war schon eine der besten deutschen Köchinnen, bevor das Vox-Kochduell, die chaotische Küchen-Show, sie auch zur bekanntesten Köchin des Landes machte. Für die nächsten Tage ist sie in Berlin: Von heute bis Freitag gibt sie im „Vox“ – eine zufällige Namensgleichheit – des Grand Hyatt Proben ihrer Kochkunst, ein Höhepunkt des diesjährigen Davidoff-Gourmet- Festivals.

Im Vox-Kochduell, der Grundlage ihrer Popularität, wirkt sie, als wäre sie eigens für diese kreischbunte Sendung erfunden worden – nirgendwo sonst wird so deutlich, wie sehr das Kochen in den letzten Jahrzehnten vom braven Handwerk zur kreativen Show geworden ist, einer Show freilich, deren Effekte das handwerkliche Können unabdingbar voraussetzen. Im Casting hatte sich Susanne Vössing mit neun weiteren Kollegen gegen 700 Bewerber durchgesetzt. „Das ist doch absurd“, fürchtete sie anfangs, „solche Dinge zusammenzuwerfen, die überhaupt nicht zueinander passen“. Heute ist sie überzeugt: „Das schult den Geist“, die Sachen müssen schmecken, gut aussehen und schnell zubereitet sein. Voraussetzung für diesen Erfolg war eine geschwinde Karriere in deutschen und Pariser Top-Restaurants. Sie hat in einem der berühmtesten, dem Pariser „Lucas-Carton“, gearbeitet, kümmerte sich in der „Coupole“ um den Fisch, war Sous-Chefin im „Yvon“ und kehrte dann zurück, um mit 27 Küchenchefin im Bonner „Marron“ zu werden wurde Betriebsleiterin im „Delfter Haus“ in Köln, Küchenchefin im „La Societé“ dortselbst, dann wieder im „Yvon“, diesmal, versteht sich, als Küchenchefin – ein Lebenslauf einer Frau, die jede Chance nutzt, neue Perspektiven zu finden, neue Erfahrungen zu machen.

In Paris hat sie, quasi nebenbei, an der Sorbonne auch noch ein Übersetzer-Diplom erworben. Aus Trotz. Denn als sie in einem frühen Stadium ihrer Karriere im Oerschen Hof in Münster ausschließlich mit Franzosen arbeiten musste, ärgerte sie sich über deren Arroganz. „Keiner wollte mir die Sprache beibringen!“ So ergab sich eins aus dem anderen – und das kuriose Kochduell, bereits fünfeinhalb Jahre auf Sendung, wurde zur Konstante in ihrem Leben, selbst während einiger Monate, in den sie in Florida gastierte.

Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann, dem Fotografen Alex Majewski, in Düsseldorf, hat ihren Traum vom eigenen Pariser Restaurant erst einmal begraben – und kommt als freiberufliche Köchin, Stylistin und Autorin gut zurecht. Zusammen mit ihrem Mann hat sie kürzlich das Buch „Immer eine Sünde wert“ produziert, in dem sie ihre Vorstellung von erotischer Kochkunst auch gleich mit Einsatz des eigenen Körpers illustriert – wieder ein Tabubruch in einer Branche, die Köchinnen zwar längst gern sieht, aber vorzugsweise in der Rolle als mütterliche Eintopfköchin. Wie es scheint, sind von Susanne Vössing noch ein paar Überraschungen zu erwarten – und die betreffen sicher nicht nur die Haarfarbe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben