"Burger de Ville" in Berlin-Mitte : Lieber wieder in die City-West

Der „Burger de Ville“ macht am Checkpoint Charlie schlechte Geschäfte. Daher will der Berliner Burger-Imbiss zurück zum Zoopalast und Bikini Berlin.

Vinzenz Greiner
Touristen statt Stammkundschaft. Der "Burger de Ville" hat am Charlie's Beach mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Foto: Thilo Rückeis
Touristen statt Stammkundschaft. Der "Burger de Ville" hat am Charlie's Beach mit Umsatzeinbußen zu kämpfen.Foto: Thilo Rückeis

Mittagszeit im Viertel rund um die Kochstraße in Mitte. Die Restaurants sind voll, die Schnellimbisse kommen kaum hinterher. Vor dem „Burger de Ville“ am nahen Checkpoint Charlie dagegen steht nur eine Handvoll Menschen. Ergün Tezel und sein Kollege schmeißen den Burgerladen am „Charlie’s Beach“ heute alleine.

Vorm Zoopalast und Bikinihaus an der Budapester Straße, wo der silberne „Airstream“-Wohnwagen bis Ende März noch stand, hätte diese Besetzung kaum gereicht. Dort hat sich „Burger de Ville“ eine große Stammkundschaft erbraten und erwürzt. Treue Fans reisen ihnen nun sogar bis zum Checkpoint hinterher.

Kampf ums Burger-Monopol

„Da haben immer drei Leute gleichzeitig gearbeitet“, erzählt Tezel (27). Das liege vor allem an den Hungrigen, die zur Mittagszeit, nach Feierabend oder auf dem Weg zum Kino am Stand vor dem Hotel „25hours“ im Bikinihaus vorbeilaufen. Mit den letzten Bauarbeiten am Bikinihaus endete aber der Vertrag des „Burger de Ville“. Stattdessen zog „Jim Block“ ins Bikini. Die Hamburger Kette hat dort nun das Burger-Monopol.

Das habe sich Jim Block über ein sogenanntes Wettbewerbsverbot vertraglich zusichern lassen, sagt Jürgen Klümpen. Für den Inhaber des „Burger de Ville“ war dies das Aus. Am ersten April eröffnete er daher am Charlie’s Beach.

Der sei schon auch eine „coole Sache“, sagt Klümpen. „Aber wir hatten in den ersten Monaten erheblich weniger Umsätze als am Ku’damm.“ Das liegt aber nicht nur an der großteils fehlenden Stammkundschaft und daran, dass abends am Checkpoint „fast nur Touristen“ vorbeikommen und ansonsten „nix los“ ist.

Es hängt auch mit Klümpens neuem Vertrag zusammen. Danach darf er bis September keine Getränke verkaufen. „Außerdem sieht man uns nicht so gut“, sagt der gelernte Koch Tezel und deutet auf die Bastwand, die die Stadtstrandidylle von der wuseligen Friedrichstraße abschirmt.

Sehnsucht nach der City West

Langeweile habe er aber nicht. Vorgestern beim Spiel gegen Portugal sei die Hölle los gewesen. Am Strand werden die WM-Spiele auf einer Großbildleinwand gezeigt. „Dann kommen plötzlich total viele auf einmal“, sagt Tezel. Deshalb braten und belegen zu solchen Anlässen drei bis vier Leute die Burger.

Von hungrigen Fußballfans beim Public Viewing und anderen Sommerveranstaltungen erhofft sich nun Jürgen Klümpen ein besseres Geschäft. Zugleich sucht er aber einen neuen Stellplatz fürs ganze Jahr – nicht nur für den Sommer.

Am liebsten wieder in der City West. Viele Menschen hätten ihn gebeten zurückzukehren, sagt Klümpen. Er führe deshalb schon Gespräche über Pachtverträge von Aufstellplätzen am Kurfürstendamm. Ein Angebot sei schon sehr konkret. Von wem, will Klümpen noch nicht sagen. Ab September könnten dann die womöglich besten Burger der Stadt vielleicht sogar in einem eigenen Restaurant verspeist werden. Auf jeden Fall soll es wieder in Ku’dammnähe oder sogar direkt am Boulevard sein.

Auf seine Fans ist Verlass. „Die würden uns sogar durch die ganze Stadt verfolgen“, sagt Burger-Brater Ergün Tezel. Er selbst hat Heimweh nach dem Kurfürstendamm, würde gerne wieder in der City West seine Burger mit Fleisch der Brandenburger Black-Angus-Rinder in selbst gemachten Semmeln verkaufen.

Tipps: Hier können Sie gute Burger essen!

Gute Burger gibt’s nicht nur am Checkpoint Charlie: Ein Klassiker ist „Burgermeister“ unter der Hochbahn am Schlesischen Tor in Kreuzberg. Und gar nicht weit weg davon werden im Clubrestaurant „White Trash“ in Treptow perfekte Burger gebraten (Am Flutgraben 2). Ähnliches lässt sich übers „The Bird“ sagen, das neben dem Stammhaus in Prenzlauer Berg (Am Falkplatz 5) nun eine Filiale in Hamburg eröffnet hat – und eine in Kreuzberg. Die Räume am Kottbusser Damm 95 sind recht karg eingerichtet, die Burger dafür umso opulenter. Neues Burgerbegehren weckt auch „Tommi’s Burger Joint“ in der Invalidenstraße 15. Ein Familien-Filialbetrieb: sechs Mal in Island, ein Mal in London, jetzt in Mitte.

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