Berlin : Bus-Entführer in Untersuchungshaft

Frage der psychischen Erkrankung wird später geklärt / Der Libanese ist wegen kleinerer Delikte bekannt

Jörn Hasselmann

Der 27-jährige Libanese, der am Sonntagabend mit einem Messer bewaffnet einen BVG-Bus gekapert hatte, hat die Tat gestanden. Er gilt als psychisch krank. Ob die Entführung eines Busses in Bremen zwei Tage zuvor eine Rolle spielte, darüber machte der Mann keine Angaben. Das Amtsgericht Tiergarten hat gestern entschieden, dass Nizar K. zunächst in Untersuchungshaft genommen wird und nicht in eine psychiatrische Klinik kommt. Inwieweit der Beschuldigte psychisch krank sei, werde in den weiteren Ermittlungen zu prüfen sein, hieß es.

Nizar K. ist der Justiz wegen vorangegangener kleinerer Straftaten bekannt. Wie es bei der Kripo hieß, stamme der Mann jedoch nicht aus einer der für ihre Brutalität berüchtigten libanesisch-kurdischen Großfamilien. Als Motiv hatte er in seiner ersten Vernehmung angegeben, dass er auf die Situation in Palästina aufmerksam machen wollte. Im vergangenen Jahr war der Mann stationär in psychiatrischer Behandlung gewesen, danach hatte er sich freiwillig in der Reinickendorfer Tagesklinik der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik behandeln lassen, weil Verwandte von ihm in der Nähe wohnen. Genau dort war der Mann am Sonntagabend in den Bus der Linie X21 gestiegen, der von Pankow-Rosenthal zur Messe unterwegs war. Er bedrohte die Fahrgäste mit einem Messer und befahl dem Fahrer, nicht mehr zu stoppen. Doch schon kurze Zeit später, am Kurt-Schumacher-Platz, ließ der Libanese eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern frei. Da es dem Busfahrer um 20.20 Uhr gelungen war, den Alarmknopf zu drücken, konnte die Polizei den Bus mit zahlreichen Fahrzeugen einkeilen. „Wir haben dem Täter klar gemacht, dass er hier nicht wieder wegkommt“, sagte der Leiter der Direktion 6, Klaus Keese, gestern dem Tagesspiegel. Diese Taktik – den Entführer eines Fahrzeuges möglichst schnell zu stoppen – hatte die Polizei auch vor zwei Wochen angewandt, als der Bankräuber Dieter Wurm einen Bus in Steglitz entführt hatte. Das Spezialeinsatzkommando schickte einen geschulten Beamten zum Verhandeln an den Bus. Der merkte schnell, dass Nizar K. zwar gut deutsch spricht, aber ansonsten wirres Zeug. Innerhalb von Minuten ließ er die restlichen drei Geiseln und den Busfahrer frei, danach ergab er sich widerstandslos. Das Spezialeinsatzkommando musste – anders als bei Dieter Wurm – keine Gewalt anwenden.

Nizar K. ist in Beirut geboren, die Staatsangehörigkeit gilt als „ungeklärt“. Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon verschweigen oft ihre Herkunft, um nicht abgeschoben zu werden. Die CDU forderte erneut die Ausweisung politischer Straftäter und ein härteres Vorgehen gegen „importierte Kriminalität“.

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