Berlin : Bus-Unfall mit dem Bus-Entführer

Zusammenstoß bei Dieter Wurms Transport ins Haftkrankenhaus

Katja Füchsel

Er hatte es fast geschafft, der Gefangenentransport. Mit an Bord: Bankräuber und Bus-Entführer Dieter Wurm sowie acht Vollzugsbeamte. Nur wenige Meter und ein Bürgersteig trennten den VW-Bus vom Haftkrankenhaus Moabit, als es plötzlich heftig schepperte. Der VW-Bus war an der Kreuzung Rathenower Ecke Seydlitzstraße frontal mit einem Opel zusammengestoßen. „Bei dem Unfall wurde niemand verletzt“, sagt eine Polizeisprecherin.

Doch es muss mächtig geruckelt haben im Inneren des VW-Busses. Passanten informierten um 10.30 Uhr die Polizei, sie nahm den Unfall auf und kam zu dem Schluss: Offenbar lag die Schuld beim Gefangenentransport-Fahrer. Er war auf die Gegenfahrbahn geraten, als er versuchte, an einer Baustelle vorbeizukommen. „Da hätte er Acht geben müssen“, heißt es bei der Polizei.

Und Wurm? Er musste nicht warten, bis die Protokolle aufgenommen und unterschrieben waren. Es fehlten ja nur noch ein paar Meter. „Er ist dann mit einem Rollstuhl ins Haftkrankenhaus gefahren worden“, sagt Justizsprecher Björn Retzlaff.

Hier liegt der Geiselnehmer nun auf der Chirurgie, im Einzelzimmer. Nach seiner Festnahme am Freitagabend war Wurm zunächst im Universitätsklinikum Benjamin Franklin operiert worden. Ein SEK-Mann hatte ihm in die Schulter geschossen. Während der Operation wurde für den Gefangenen extra ein Zimmer am Ende eines Flures geräumt. Auch die Betten in Wurms Nachbarzimmern blieben leer, vor seiner Tür postierten sich mehrere Polizisten. Am Montag operierten die Ärzte Wurm dann noch ein zweites Mal. Retzlaff: „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.“ Noch sei es aber nicht abzusehen, wann Wurm von der Krankenstation in eine Gefängniszelle ziehen könne.

Acht gegen einen – beim Transport ins Haftkrankenhaus wollte man offenbar nichts dem Zufall überlassen. Schließlich gilt der Mann, der am Freitag erst eine Bank ausraubte und anschließend einen BVG-Bus kidnappte, als äußerst gefährlich. Bei der Geiselnahme drohte Wurm der Polizei, sich „jedes Feuergefecht zu liefern“ bis um 14.16 Uhr eine Spezialeinheit den Bus stürmte. Wurm hat bereits in der Klinik ein Teilgeständnis abgelegt, über seinen Komplizen schweigt er sich aber bis heute aus. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, sagt Retzlaff.

Die Tätowierung am Unterarm brachte Wurm seinen Spitznamen ein: der Skorpion. Einmal hat der Dieter Wurm eine Bank mit einer Maschinenpistole ausgeraubt, ein anderes Mal hatte er eine Granate in der Hand. Seit 1984 saß Wurm wegen Banküberfalls praktisch ununterbrochen im Gefängnis. Nachdem er im August 2000 als Freigänger eine ABM-Stelle bei der S-Bahn als Fahrgastbetreuer angetreten hatte, machte er sich hier einen Ruf als „leuchtendes Beispiel gelungener Resozialisierung“. Deshalb beschloss das Gericht, die Strafe auszusetzen. Seine Bewährungszeit lief noch bis November 2004.

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