Berlin : Busfahrt aus der Einsamkeit

Die Diakonie holt alte Menschen von zu Hause zu geselligen Nachmittagen ab. Jetzt ist das Fahrzeug kaputt

Aliki Nassoufis

Es riecht nach frisch gebackenem Kuchen. Auf den Tischen stehen große rote Kerzen und tauchen den Raum in warmes, flackerndes Licht. Es ist die Adventsfeier des Diakonischen Werks Reinickendorf. Knapp 70 alte Menschen sitzen an diesem Nachmittag zusammen, unterhalten sich und singen Weihnachtslieder.

Einer von ihnen ist Horst Krause. Vor ihm steht eine Tasse schwarzer Kaffee. „So eine Feier ist schön“, sagt der 74-Jährige. „Da komme ich von zu Hause weg.“ Denn dort fühle er sich einsam, sei traurig und grübele über „alles mögliche“ nach. Seit seine Frau vor einem Jahr verstarb, ist er allein in seiner Wohnung. Dann wurde ihm vor zweieinhalb Monaten das rechte Bein amputiert. Nun sitzt er im Rollstuhl, was für ihn „ein großer Schock“ war. Mit der Einsamkeit sei es besonders vorm Einschlafen schlimm. Deswegen versucht er, tagsüber so viel wie möglich rauszukommen.

Für Menschen wie ihn hat das Diakonische Werk vor elf Jahren einen weißen „Bus gegen Einsamkeit“ mit acht Plätzen angeschafft. Das wurde schon damals dank der Weihnachtsspendenaktion des Tagesspiegels und seiner Leser ermöglicht. „Aber jetzt will der Bus nicht mehr so, wie er sollte“, sagt Wolfgang Triebel, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Reinickendorf. An den Türen und am Unterboden breitet sich der Rost aus. Bremsen, Kupplung, Reifen, Auspuff – alles musste schon erneuert werden. „Wir können die Rechnungen für Reparaturen nicht mehr bezahlen“, sagt Triebel. Deshalb hofft er, wieder mit Hilfe der Tagesspiegel-Leser einen neuen Bus kaufen zu können. Dann können die insgesamt 1000 von der Diakonie betreuten Menschen in Reinickendorf weiter an Spielenachmittagen und Tagesfahrten wie gerade erst nach Potsdam teilnehmen.

Horst Krause nutzt den Bus regelmäßig. Jeden Mittwoch fährt er damit zum Skatspielen. „Der Bus ist wichtig“, sagt Krause. „Damit treffe ich andere Menschen.“ Wie auch seine Tischnachbarin bei der Adventsfeier, Jenny Kaufmann. „Zu Hause ist mir langweilig“, sagt die 73-Jährige. Sie hat Probleme beim Laufen, bleibt daher meistens zu Hause. Heute aber hat sie der „Bus gegen Einsamkeit“ abgeholt. Als der Chor „Ihr Kinderlein kommet“ anstimmt, singt sie leise mit.

Wir freuen uns über Spenden an: Spendenverein Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Kontonummer 25 00 30 942, Berliner Sparkasse, Bankleitzahl 100 500 00. Bitte geben Sie Namen und Anschrift komplett an, damit wir Ihnen den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Onlinebanking ist möglich. Alles über „Menschen helfen!“ im Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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