Berlin : „Bush-Trommeln“ sollen dröhnen

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Von Frank Jansen

„Kommt zum Berliner Besuch des Kriegsherrn von Afghanistan zur Chaos-Parade in die Bundeshauptstadt“, steht im Internet: einer von vielen Aufrufen. Zehntausende Autonome, Pazifisten und Globalisierungsgegner werden sich nach Schätzung der Sicherheitsbehörden an den Protesten anlässlich des Besuchs von US-Präsident George W. Bush beteiligen. Bislang sind für die Zeit vom 21. bis zum 23. Mai drei große Demonstrationen angemeldet. Außerdem ruft die autonome Szene zu militanten Aktionen auf. Sicherheitsexperten befürchten, dass mehrere tausend militante Linke nach Berlin kommen und versuchen werden, den Staatsbesuch zu stören. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat angekündigt, ein „Maximum an Sicherheit“ gewährleisten zu wollen.

Der Demonstrationsmarathon beginnt am 21. Mai, dem Vortag des Bush-Besuchs. Von 15 Uhr an will die Friedensbewegung Unter den Linden demonstrieren. Eine „Achse des Friedens“ mobilisiert Bush-Gegner bundesweit mit dem Slogan „Wir wollen Ihre Kriege nicht, Herr Präsident“. Den Aufruf unterstützen mehr als 130 Organisationen. Das Spektrum ist ziemlich bunt: Die globalisierungskritische Bewegung „attac“ und zahlreiche Friedensinitiativen finden sich an der Seite von Juso-Gruppen, der Berliner PDS sowie dem Trotzkistentrupp „Linksruck“ und der Maoistensekte MLPD.

Als einer der Hauptredner ist der israelische Friedensaktivist Uri Avnery vorgesehen, der 2001 den Alternativen Nobelpreis erhielt. Avnery ist als radikaler Kritiker israelischer Militäraktionen gegen die Palästinenser bekannt. Die Organisatoren der Demonstration halten es deshalb für ausreichend, dass Avnery spricht, ein palästinensischer Redner ist nicht vorgesehen. Es werden allerdings zahlreiche Araber erwartet. Den erneuten Auftritt von Kindern mit umgeschnallten Sprengstoffattrappen wolle die palästinensiche Gemeinde verhindern, sagte der Vizechef der PDS-Bundestagsfraktion, Wolfgang Gehrcke. Er hatte am 13. April bei der pro-palästinensischen Demonstration gesprochen, als es einen solchen Vorfall gab.

In der Nacht vom 21. zum 22. Mai wollen „Frauen in Schwarz“ ein stummes Tribunal gegen den Krieg abhalten, vermutlich auch in Mitte. Am 22. Mai wird die „Achse des Friedens“ erneut Unter den Linden präsent sein. Um 18 Uhr sollen über den Bebelplatz „Bush-Trommeln“ dröhnen. Für den 23. Mai will ein Bündnis linker Organisationen ebenfalls Unter den Linden antreten. Unterdessen rufen autonome Gruppen zu „Volxsport“ auf. „Bush aus der Stadt verjagen, an brennenden Staatsflaggen erwärmen, viel und überall lärmen“, wird im Internet unter „ www.gipfelsturm.net“ ; gedichtet. NPD und Neonazis halten sich bislang , trotz ihrer antiamerikanischen Parolen, zurück.

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