Berlin : Bushäuschen verstellt: Provinzposse am Lustgarten

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Hans Stimmann, der Senatsbaudirektor, hat einen Sieg errungen - gegen ein kleines Bus-Häuschen und wider den gesunden Menschenverstand. Seit der Umgestaltung des Lustgartens wurmt den Staatssekretär das durchsichtige Wartehäuschen an der Bus-Haltestelle als "städtebauliche Überbewertung in der Achse der Säulenkolonnade des Alten Museums", wie es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt.

Nun ist es passiert: Die BVG musste von dem Kakao, durch den man sie zieht, auch noch trinken und auf eigene Kosten (etwa 10 000 Mark) das Bus-Wartehäuschen abbauen, um es etwa 30 Meter weiter östlich wieder aufzustellen. Der eigentliche Haltepunkt aber - gelber Mast mit kreisrundem "H" - blieb, wo er ist. Die BVG wollte als Kompromiss die Haltestelle samt Häuschen zum Zeughaus hin verlegen - die Verkehrspolizei war dagegen. Auch in Richtung Dom kam die Verlegung von Häuschen und Halteschild nicht in Frage, dort hätte die Haltestelle einen Fußgänger-Überweg behindert und die Straße Am Dom blockiert.

Wer nun im Glashaus sitzt und auf seinen Bus 100, 157, 200 oder 348 wartet, erlebt erstaunt, dass der große Gelbe an ihm vorbei zur offiziellen Haltestelle fährt (und vielleicht gar nicht hält, weil dort niemand steht). Oder der Fahrgast rennt, so er den Bus kommen sieht, im Schweinsgalopp zur Haltestelle. "Mal sehen, wer das bezahlt, wenn er unterwegs stolpert und hinfliegt", unkt die BVG und ahnt: "Ganz schlimm wird es bald bei Regen, Schnee und Eis." Die Fahrgäste hätten in der City das Recht auf ein schützendes Dach überm Kopf - statt dessen erleben sie diesen Schildbürgerstreich genau gegenüber dem Kanzleramt. Leider müssen einige Leute vor 13 Monaten bei einem Ortstermin geschlafen haben - da beschlossen nämlich Hans Stimmann, der Landeskonservator, die BVG, die Polizei und das Tiefbauamt Mitte: "Auf der Seite des Lustgartens bleibt die Haltestelle erhalten. Die Wartehalle wird in Richtung Osten auf die Ecke Karl-Liebknecht-Straße/Straße Am Dom verlegt".

Wir erinnern uns noch an den Plan von 1994, den Lustgarten mit einem Pavillon abzuschotten. Der erste Preis eines Wettbewerbs wurde damals als Busbahnhof verlacht und nie realisiert - der Pavillon hatte die stattliche Länge von 87 Metern. So ändern sich die Zeiten.

Eigentlich könnte man doch die ganze Haltestelle abschaffen, aus ästhetischen Gründen. Oder den Verkehr auf der Straße für BVG-Busse und LKW sperren, da solch rollende Barrieren den Durchblick behindern. Und warum hat Schinkel sein Altes Museum überhaupt in die Nähe einer Haltestelle gebaut? Und Schlüter das Schloss? Fragen über Fragen.

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