Berlin : Bußgeld für „Schwarzbau“ in Pankow Bezirk fordert Änderung der dunklen Fassade

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Düster. Das Haus am Bahnhof Pankow ist dem Bezirk zu dunkel geraten. Foto: Mike Wolff
Düster. Das Haus am Bahnhof Pankow ist dem Bezirk zu dunkel geraten. Foto: Mike WolffFoto: Mike Wolff, TSP

Der Neubau am Garbátyplatz ist hässlicher, als die Baupolizei erlaubt. Deshalb will das Bezirksamt dem verantwortlichen Projektentwickler Merz Objektbau jetzt einen Bußgeldbescheid über 50 000 Euro schicken und zusätzlich den Rückbau des mittleren Fassadenteils anordnen. Die entsprechende Ankündigung ist dem Aalener Unternehmen nach Auskunft von Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) bereits zugeschickt worden – verbunden mit der Möglichkeit zur Stellungnahme, „wie bei einem Knöllchen“.

Aus Kirchners Sicht ist alles Wesentliche bereits gesagt worden; unter anderem bei einem Ortstermin im November, bei dem, wie berichtet, der Bauherr zu Abhilfe aufgefordert worden sei. Bei dem Streit geht es hauptsächlich um die brückenartige Verbindung zwischen den seitlichen Gebäudeteilen. Beantragt und genehmigt worden sei „eine lichte, helle, transparente Fassade, in der sich am Tag auch das Bahnhofsgebäude und der Himmel spiegeln“, sagt Kirchner. „Aber diese stumpfe Oberfläche schluckt ja alles.“ Im Bauantrag und bei einer Präsentation im Ausschuss habe das Projekt völlig anders ausgesehen. Die seitlichen Solitärbauten dagegen seien „zwar auch nicht schön, aber zumindest so beantragt worden“.

Bei dem Projektentwickler war am Donnerstag wegen der Pause zum Jahreswechsel für Nachfragen niemand erreichbar. Allerdings hatte der Projektleiter Christian Trautmann im Tagesspiegel schon vorher Unverständnis über Kirchners Kritik geäußert: Von einer weißen Fassade sei nie die Rede gewesen, sondern von Glas. Man habe verdunkelte Scheiben verwendet.

„Der wird sich furchtbar aufregen“, prophezeit Kirchner nun, „aber ich habe mich auch furchtbar aufgeregt“. Der Rückbau dürfte deutlich teurer als das Bußgeld werden. Aber der Stadtrat ist bereit, die Sache notfalls vor Gericht auszufechten: „Pankow ist das wert“, sagt er und verweist auf Kritik von Bürgern und den Denkmalschutz, der in der Umgebung des Neubaus gelte. Der beherbergt auf 5700 Quadratmetern Arztpraxen, Büros und Geschäfte. „Der Bauherr ist der Meinung, er bekommt dafür einen Architekturpreis“, dröhnt Kirchner weiter. Für den Erfolgsfall sei er bereits zur Verleihung eingeladen worden – und habe seine Teilnahme unter der Bedingung zugesagt, dass sich der Bauherr im Gegenzug einer Bürgerversammlung stelle.

Kirchner kann einigermaßen sicher sein, dass er den Volkszorn auf seiner Seite hat. Denn aus Sicht mancher Passanten schneidet der Neubau auch optisch den Bahnhof zum Pankower Zentrum ab. Außerdem haben düstere Neubauten schon oft Kritik auf sich gezogen, allen voran das Spreedreieck. Stefan Jacobs

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