Berlin : Busunfall in Spandau: Plötzlich in den Gegenverkehr geraten

Jörn Hasselmann

Technische Mängel könnten der Grund für den Busunfall in Spandau am frühen Samstagabend sein. Die Polizei hat den VW-Bus des 37-jährigen Unfallfahrers deshalb sichergestellt. Der Mann war auf der Spandauer Wilhelmstraße kurz vor der Kreuzung Heerstraße in den Gegenverkehr gefahren und frontal gegen einen Linienbus der BVG geprallt. Bei dem Unfall wurden zehn Menschen verletzt, darunter der BVG-Fahrer, vier Kinder im Bus und die Tochter des Unfallverursachers. Die meisten Verletzten, darunter alle Kinder, konnten nach ambulanter Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Außer dem Unfallverursacher liegt noch ein Fahrgast mit Schnittverletzungen im Krankenhaus.

Wieso der Mann gegen 17.40 Uhr mit seinem VW-Bus auf der Wilhelmstraße in Höhe der Hausnummer 116 plötzlich in den Gegenverkehr geriet, konnte die Polizei gestern nicht sagen. Der Mann konnte noch nicht vernommen werden. Der Fahrer des Busses der Linie 135 sah das Fahrzeug auf sich zukommen und lenkte noch nach rechts, dabei wurde ein geparktes Auto zerstört.

Auch der BVG-Bus wurde stark zerbeult, über die Höhe des Schadens wollte die Leitstelle des Verkehrsunternehmens aber nicht spekulieren. Der Fahrer habe bei dem Unfall einen Schock erlitten. Generell seien schwere Unfälle mit Linienbussen selten, hieß es in der Leitstelle. Eine Statistik über Unfälle führt die BVG nicht. In der Mehrzahl der Unfälle seien die BVG-Fahrer nicht schuld.

So auch beim Unfall in Reinickendorf vom Oktober 1999. Damals hatte eine Autofahrerin am Hermsdorfer Damm die Vorfahrt eines Nachtbusses missachtet und war mit ihm kollidiert. Nach dem Zusammenprall geriet der Bus der Linie N 20 auf die Gegenfahrbahn, rammte ein Taxi und fuhr gegen einen Baum. Acht Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zumindest ein BVGer hatte aber Schuld an dem Unfall im August 1999 an der Konstanzer Straße. Denn in dieser Nacht waren auf der Kreuzung Westfälische Straße zwei BVG-Busse kollidiert.

Nicht selten werden Fahrgäste in Bussen auch verletzt, weil der Fahrer scharf bremsen musste. So Ende November 1998 bei einem Unfall ebenfalls in Reinickendorf. Eine Fußgängerin hatte, ohne auf den herannahenden Bus zu achten, die Fahrbahn betreten. Bei der Notbremsung wurden sechs Fahrgäste verletzt; die leichtsinnige Passantin wurde durch die schnelle Reaktion des Fahrers nur leicht erfasst.

Genau ein Jahr später schockierte der Schulbusunfall von Altlandsberg. Am 30. November war der Linienbus von der Landstraße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Vier Kinder und der Fahrer starben. Nach diesem Unfall setzte eine Debatte um eine Gurtpflicht auch in Bussen ein. Sowohl das Verkehrsministerium von Brandenburg wie auch der Überwachungsverein Dekra plädierten damals für das Anschnallen. Doch weiterhin gilt in Bussen, die auch Stehplätze haben - also alle Linienbusse im Stadtverkehr - keine Gurtpflicht.

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