Berlin : Butterstulle ist cool – die Grüne Woche will jünger werden

Die Landwirtschaftsschau hat für Jugendliche wenig Anziehungskraft – das soll sich jetzt ändern

Sebastian Esser

Daniel Schulz steht auf dem Kopf. Wie wild dreht sich sein Körper um die eigene Achse, ruckartig kippt er wieder nach oben, dann ist zum Glück alles vorbei. Ihm ist schlecht. Vorsichtig klettert der 17-Jährige aus dem Gestell, mit dem man angeblich lernen kann, wie sich Schwerelosigkeit anfühlt. „Ich habe wohl zu viel gegessen“, sagt er.

Mit diesem Problem ist Daniel nicht allein auf der Grünen Woche. Für viele Besucher geht es nur um zwei Dinge: Essen und Trinken. Die meisten Jugendlichen stellen sich aber unter Spaß etwas anderes vor, weshalb Daniel Schulz auf der Landwirtschaftsmesse eher zu einer Minderheit gehört. Tatsächlich klafft bei den 14- bis 25-Jährigen in der Besucherstatistik eine Lücke. Dabei wollen viele Aussteller gerade das junge Publikum ansprechen.

Ist die Grüne Woche nur für ältere Menschen interessant? Die Veranstalter verweisen darauf, dass etwa 100 000 der 490 000 Besucher im vergangenen Jahr 2003 unter 30 Jahre alt waren. Davon kommen aber rund 30 000 – freiwillig oder nicht – als Schüler mit ihren Klassen. Jedenfalls will die Messe nicht generell von Überalterung sprechen.

Besonders stark bemüht man sich in der Bio-Halle um junge Besucher: „Bio find ich Kuh-l“ ist das Motto einer „BioThek“, an der es Milch zu kaufen gibt. Ob Jugendliche das cool finden? Ein Gewinnspiel biedert sich mit Jugendsprache an: „Erlebnis-Quiz für fitte Kids – Trockenfrüchte und Co. für kluge Köpfe“. Zur Lösung des Altersproblems gibt es auf der Grünen Woche seit drei Jahren die „Jugend-Event-Halle“. Motto: „Fit Food Fun“. Die Messe-Veranstalter wollen hier Spaß und Inhalt verbinden und äußern sich optimistisch. „Mit der Halle ist es uns sehr gut gelungen, die Alterslücke zu schließen.“

In diesem Jahr sollen die Jugendlichen vor allem zur Bewegung animiert werden. In der Mitte der Halle wurde ein Beach-Volleyball-Sandkasten aufgeschüttet. Besonders beliebt sind Video-Spiele. Der elfjährige Joel Bloch findet das cool. „Man kann Sport machen und gleichzeitig Playstation spielen.“ Jan und Christin Zielasko, 14 und 16, probieren unterdessen das riesige Trampolin mit den Gummiseilen aus. Die beim Sport verbrauchten Kalorien füllen sie mit Pizza, Donuts, Softeis und Milkshakes wieder auf, auch McDonald’s ist da. Der Stand der Initiative „Talking Food“, an dem sich die jungen Besucher gesunde Brote schmieren können, ist weniger gut besucht - wie auch die anderen pädagogischen Angebote. Aber welcher Berliner Jugendliche möchte schon eine „Reise durch die Ernährungspyramide“ antreten? Oder, wie beim Seminar „Trinkmanagement“ den „bewussten Umgang mit Getränken“ trainieren?

Aus drei Richtungen dröhnt Popmusik durch die Halle. Kunstnebel weht von der großen Bühne herüber, wo Newcomer auftreten – angesagt von Moderator Mola Adebisi, der sonst Musikvideos beim Musiksender Viva präsentiert.

Auch viele ältere Messe-Besucher sehen sich um – oder geben ihre Kinder und Enkel ab. Für Eltern ist die Jugend-Event-Halle praktisch: Während sie gemütlich übers Messegelände bummeln, tobt sich dort ihr Nachwuchs aus.

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