Berlin : BVG: Ab sofort Rauchverbot für Fahrer von U-Bahn-Zügen

Werner Schmidt

Jetzt besteht auch für die Zugführer der U-Bahnen am Arbeitsplatz Rauchverbot. Bisher duldete es die BVG, dass ihre Mitarbeiter im Führerstand der U-Bahnen rauchten. Nach dem Schwelbrand am Mittwochabend im Tunnel der U 6 zwischen den Stationen Kochstraße und Stadtmitte allerdings wurde die bisherige stillschweigende Duldung aufgehoben: "Wir haben dies mit der Personalvertretung abgesprochen", sagte der Betriebsleiter U-Bahn Kurt Beier gestern dem Tagesspiegel. Denn es sei nicht auszuschließen, dass der Brand durch eine Zigarettenkippe ausgelöst wurde, die ein Zugführer aus dem Fenster schnippte.

Genausogut könne es aber auch die Zigarette eines Fahrgastes gewesen sein, die in der Holzkiste gelandet war. Fahrgäste dürfen zwar seit Jahren nicht mehr in den Zügen rauchen, aber hin und wieder setzen sie sich über das Verbot hinweg. Auch auf dem Bahnhof zünden sich mitunter Fahrgäste eine Zigarette an - obwohl BVG-Hausrecht dies untersagt. Rauchen im Zug: Das ist für Fahrgäste gesetzlich längst verboten und kann mit einer Ordnungswidrigkeitenanzeige geahndet werden. Ob nun ein Fahrgast oder ein Zugführer unachtsam war - ausgelöst wurde der Schwelbrand auf jeden Fall durch eine Zigarettenkippe. Die Kriminalpolizei habe die Reste gefunden. Es handele sich aber um Fahrlässigkeit, keinesfalls um vorsätzliche Brandstiftung, betonte Kurt Beier.

Wie berichtet, war Mittwochabend in dem Tunnel eine Holzkiste in Brand geraten. Ölige Lappen hätten aber nicht darin gelegen, sagte Beier. Die Kiste war über einem früheren Notausgang an die Wand geschraubt. Vor Jahrzehnten waren darin technische Geräte aufbewahrt worden. Sie befindet sich direkt unter dem ehemaligen Checkpoint Charlie auf der Seite des früheren Ost-Berlins. Nach dem Mauerbau und der Trennung der U-Bahnlinien hatte die DDR den dortigen Notausgang zumauern lassen, die Kiste blieb. Nach der Wende hatte bisher noch niemand Veranlassung gesehen, sie zu entfernen.

Ein zufällig im Zug mitfahrender Verkehrsmeister hatte Beier zufolge am Mittwochabend während der Fahrt durch den den Tunnel Rauch bemerkt, war am nächsten Bahnhof ausgestiegen, hatte sich einen Feuerlöscher gegriffen und war - nachdem der Strom abgeschaltet war - in den Tunnel gelaufen. Er löschte den Schwelbrand weitestgehend, die Feuerwehr erledigte in nur etwa 15 Minuten den Rest. Während der Löscharbeiten kam es zu einer Panne mit einem Zug, der vom Bahnhof Französische Straße in den Tunnel gefahren und dort wegen des Stromausfalls stecken geblieben war. Etwa 20 bis 30 Minuten stand der Zug im Dunkeln, ohne dass die Zugführerin oder die Fahrgäste darüber informiert wurden, was geschehen war.

Beier zufolge erhielt die U-Bahnfahrerin keinen Funkkontakt mit der Leitstelle und wusste selbst nicht, warum ihr Zug stand. Sie konnte daher auch die zunehmend nervöser werdenden Fahrgäste nicht über die Ursache informieren. Schuld an dem fehlenden Funkkontakt war eine weitere U-Bahn-Panne, die sich zeitgleich in Neukölln ereignet hatte. Durch einen technischen Defekt hatten die Bremsen eines Zuges auf der U 7 an der Blaschkoallee Druckluft verloren, was bewirkte, dass sich der Zug im Tunnel festbremste. Während der für die Bergung notwendigen Rangierarbeiten belegten diese beiden Zugführer permanent den einzigen Funkkanal, der auf den Großprofilstrecken der U-Bahn zur Verfügung steht. Die U-Bahn-Leitstelle konnte daher die Zugführerin auf der U 6 nicht davon benachrichtigen, was sich vor ihrem Tunnel ereignete. Das Beier zufolge "anachronistische, 30 Jahre alte Funksystem" der U-Bahn soll erneuert werden. Derzeit sind allerdings erst die Ausschreibungen erfolgt.

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