BVG-Arbeitskampf : Ist der Streik am Sonntag zu Ende?

Jetzt reden sie wieder : Nach dem Abbruch der Gespräche hat die Gewerkschaft Verdi ihre Forderungen von zwölf auf neun Prozent gesenkt. Falls sich die Parteien einigen, wäre ein Streikende am Sonntag möglich.

Jörn Hasselmann[Thomas Loy],Christoph Stollowsky
alexanderplatz tramhaltestelle
Alexanderplatz. Wann verkehren hier wieder Straßenbahnen? -Foto: ddp

Die Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi und des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV) wollen heute Vormittag bei einem Treffen in der Verdi-Bundeszentrale am Kreuzberger Spreeufer erneut versuchen, eine schnelle Aussetzung des Streiks bei der BVG zu erreichen.

„Das ist eine letzte Chance“, erklärte gestern Verdi-Verhandlungsführer Frank Bäsler. Falls man bei dem heutigen Sondierungsgespräch eine Grundlage für die noch anstehenden eigentlichen Tarifverhandlungen finde, sei Verdi „bereit, ab Sonntag den Arbeitskampf auszusetzen“. Frühestens 24 Stunden später könnten dann alle Busse und U-Bahnen wieder rollen. So lange braucht die BVG nach einem Streikende, um ihren Betrieb wieder sicher in Gang zu bringen. Die S-Bahn hat unterdessen angekündigt, wegen des BVG-Streiks auf den ausgedünnten Osterferienfahrplan zu verzichten. „Wir fahren voll weiter“, heißt es – auch falls der Streik in den nächsten Tagen abgeblasen wird.

Hauptstreitpunkt zwischen Verdi und dem Arbeitgeber, der Berlin und die BVG vertritt, ist der Rahmen möglicher Tarifverhandlungen. Verdi will die Arbeitgeber auf eine Spanne von drei bis neun Prozent mehr Gehalt festlegen. Bisher verlangte Verdi zwölf Prozent mehr. Laut Verdi-Verhandlungsführer Frank Bäsler hatte BVG-Chef Andreas Sturmowski am Donnerstag bereits Lohnerhöhungen von 3,3 Prozent für die Alt-Beschäftigten und 4,3 Prozent für die Neu-Beschäftigten angeboten. Finanzsenator Thilo Sarrazin habe Sturmowski aber zurückgepfiffen.

Beide Seiten sind allerdings an einem schnellen Ende des Streiks interessiert, weil der Unmut in der Bevölkerung und beim streikgeschädigten Handel stark zunimmt. „Die Existenz unserer Berliner Firmen ist bedroht“, klagte der Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Verdi spürt diese gekippte Stimmung, zumal der Ausstand „auch an den Nerven der Streikenden zerrt“, so ein Gewerkschaftssprecher. Außerdem sind laut BVG etliche Mitarbeiter, die nicht in der Gewerkschaft sind, wegen des Streiks in Finanznöte geraten. Die BVG hat ihnen zugestanden, die Gehaltsabzüge abzustottern. Überdies wurden während des Streiks keine Urlaube mehr genehmigt. Osterurlauber bekommen von der BVG nur ihr reguläres Gehalt, wenn sie den Urlaub schon vor Streikbeginn beantragt hatten. Streikende BVG-er dürfen nicht in Urlaub gehen: sie bekommen Streikgeld von der Gewerkschaft nur dann, wenn sie sich jeden Tag bei Verdi melden.

Angesichts der veränderten Stimmungslage will Verdi den Streik nicht eskalieren, sondern den Druck abmildern. Sollte der Ausstand noch länger dauern, „überlegen wir, mit Teilen des Betriebs wieder ans Netz zu gehen", hieß es. Umgekehrt wolle der Senat offensichtlich den Streik aussitzen. „Er setzt darauf, dass uns die Puste ausgeht“, vermutet Verdi-Landeschefin Susanne Stumpenhusen. Die Gegenseite spiele auf Zeit, um einen vorübergehenden Streikverzicht über Ostern zu erreichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben