Berlin : BVG auf Einkaufstour

Unternehmen kauft in den nächsten drei Jahren 600 Busse – und will damit sparen

Klaus Kurpjuweit

Die mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldete BVG geht auf große Einkaufstour. Innerhalb der nächsten drei Jahre will sie 600 neue Busse kaufen – für zusammen fast 200 Millionen Euro. Damit biete die BVG nicht nur den Fahrgästen eine der jüngsten Busflotten in ganz Europa, sondern das Unternehmen spare mittelfristig auch Kosten für Werkstattpersonal. Davon ist Technikvorstand Thomas Necker überzeugt. Ein Doppeldecker kostet rund 400000 Euro, ein Gelenkbus knapp 300000 und ein Eindecker etwa 240000 Euro. Zuschüsse vom Senat gibt es nicht.

Die Ausschreibung endete mit einer großen Überraschung. Die vorgesehenen 140 Eindecker mit einer Länge von zwölf Metern bot Mercedes aus seinem Evobuswerk in Mannheim günstiger an als die Konkurrenten MAN und Volvo, die im Niedriglohnland Polen produzieren. Hier sei wohl versucht worden, mit polnischen Kosten zu produzieren und für deutsche Preise zu verkaufen, vermutet Necker. MAN wies dies zurück.

Doch beim Auftrag für die 260 je 18 Meter langen „Schubgelenkbusse“ hatten deutsche Anbieter das Nachsehen. Diese Busse werden bei Solaris in Polen produziert. Zumindest dessen Chef Krzysztof Olszewski und seine Frau Solange Olszewska sind aber fast Berliner. Sie waren 1981 nach Berlin gekommen. Olszewski arbeitete beim Bushersteller Neoplan in Spandau, der in den 90er Jahren ein Werk in Posen eröffnete. Später kaufte Olszewski den Betrieb und produziert nun selbst. Seine Frau kümmert sich von Berlin aus um Vertrieb und Service. 16 Solaris-Busse laufen bereits bei der BVG.

Für die Busse gibt es einheitliche Vorgaben. Sie werden klimatisiert, erhalten eine Videoüberwachung sowie Rußfilter – und wahrscheinlich Sitze aus Kunststoff, die nicht mehr gepolstert sind. In Umfragen hat sich eine Mehrheit der Fahrgäste für diese Sitze ausgesprochen, die nach und nach auch in den U-Bahnen eingebaut werden sollen. Für die BVG sind sie pflegeleichter und damit auch billiger. Kabinen, die Fahrer vor Übergriffen schützen sollen, gibt es nicht.

MAN bleibt aber trotzdem weiter im Geschäft. Für Solaris liefert das Unternehmen die Motoren und für die BVG baut es bis 2007 insgesamt 200 Doppeldeckerbusse, wenn die BVG ihre Optionen einlöst. Der Prototyp wird derzeit getestet.

Den Innenausbau der neuen Busse übernehmen BVG-Beschäftigte, wodurch es die nächsten drei Jahre Arbeit für 60 Mitarbeiter gebe, so Necker. Weil die Eindecker nur acht Jahre bei der BVG fahren sollen und deshalb nicht aufwändig repariert werden müssen, gibt es weniger Arbeit für die Werkstätten. Die Eindecker werden dann verkauft oder vom Hersteller zurückgenommen. Weil dies bei den Doppeldeckern nicht geht, müssen diese zwölf Jahre halten.

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