Berlin : BVG: Bahnen und Busse sollen rund um die Uhr fahren

Klaus Kurpjuweit

Die BVG will im nächsten Jahr Bahnen und Busse rund um die Uhr fahren lassen. Die klassische Trennung in ein Tages- und ein Nachtnetz wird dann aufgehoben. Busse und Straßenbahnen fahren nach dem neuen Netz tags und nachts auf den gleichen Strecken, am Wochenende sind auch die U-Bahnen auf den meisten Strecken ohne Pause, wie jetzt bereits bei der S-Bahn, unterwegs. Zudem soll es sieben weitere Express-Linien geben, vor allem auf tangentialen Verbindungen um das Stadtzentrum herum. Ergänzt wird das System durch Kiezbusse. Dieses Konzept gehört zum neuen Nahverkehrsplan der Stadtentwicklungsverwaltung, der bis zum Jahr 2004 umgesetzt werden soll.

Mit dem neuen Nachtangebot werde Berlin führend in Europa sein, sagte gestern BVG-Direktor Wolfgang Schwenk. Das bisherige BVG-Angebot wird umgekrempelt. Auch heute gibt es bereits 58 Nachtlinien bei den Bussen und Straßenbahnen. Hinzu kommen am Wochenende bei der U-Bahn die beiden Linien U 12 (Warschauer Straße-Ruhleben) und U 9 (Osloer Straße-Rathaus Steglitz). Doch in der Regel sind die Fahrzeuge nachts auf anderen Strecken unterwegs als im Tagesverkehr, was die Fahrgäste dazu zwingt, zwei Systeme im Kopf zu haben.

Dies will die BVG jetzt ändern und tags und nachts die gleichen Strecken befahren. Im Nachtnetz ist ein 30-Minuten-Takt vorgesehen. Die U-Bahnen sollen am Wochenende alle 15 oder 30 Minuten fahren. Den Nachtverkehr gibt es dann auf den Linien U 1, U 2, U 5, U 6, U 7, U 8 und U 9. Nicht jede Fahrt führt aber bis zur normalen Endstation. So soll jeder zweite Zug bei der U 1 statt nach Krumme Lanke nur bis Fehrbelliner Platz fahren, auf der U 2 ist vom Zentrum kommend zum Teil am Theodor-Heuss-Platz Endstation, auf der U 5 in Kaulsdorf Nord und auf der U 7 am Jakob-Kaiser-Platz.

Aufgegeben hat die BVG ihren Plan, auf den wichtigsten U-Bahn-Linien generell einen durchgehenden Nachtverkehr einzurichten. Dafür lässt sie in Zukunft nachts Busse entlang dieser U-Bahn-Strecken fahren, die an den jeweiligen Bahnhöfen halten. So müssen U-Bahn-Fahrgäste, die nach Betriebsschluss bisher nachts auf Busse mit einer anderen Linienführung umsteigen mussten, nicht "umlernen". Hinzu kommen sieben Straßenbahnlinien im Nachtverkehr, fünf weitere werden im Ersatzverkehr mit Bussen betrieben.

Um mehr umsteigefreie Verbindungen am Stadtrand herzustellen, will die BVG sieben zusätzliche Expresslinien einführen, darunter auch eine Linie bei der Straßenbahn. Dünn besiedelte Gebiete will die BVG in Zukunft mit kleinen, wendigen Fahrzeugen, so genannten Kiezbussen, bedienen, die zum Teil auf Wunsch auch bis vor die Haustür fahren.

Mehr kosten darf das neue Angebot nicht, denn zusätzliches Geld aus der Landeskasse gibt es dafür nicht, stellte gestern Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) klar. Ebenso dürfe das Nachtnetz bei der Straßenbahn nicht zu mehr Lärm für die Anwohner führen. Der Nahverkehrsplan mit detailierten Qualitätsvorgaben (Pünktlichkeitsrate von 99 Prozent) sei das Konzept für die Entwicklung in den nächsten vier Jahren. Er enthält auch die bekannten Termine für weitere Neubaustrecken der Straßenbahn und für Lückenschlüsse der S- und Regionalbahn.

Ungeklärt ist noch, ob es bei der U-Bahn eine neue Linie U 76 von Rudow auf der U 7 bis zum Kurt-Schumacher-Platz auf der U 6 geben wird. Sie soll zusätzlich alle zehn Minuten fahren. Die Senatsverwaltung will es so, die BVG ist noch skeptisch.

Die große Umstellung ist für September 2001 vorgesehen. Dann sollen die S-Bahnverbindungen von Pankow und Schönhauser Allee bis Gesundbrunnen hergestellt sein, was zu umfangreichen Linienänderungen führen wird. Unter anderem verbindet die S 2 dann Blankenfelde/Lichtenrade direkt mit Bernau/Buch.

Die CDU kritisierte umgehend "Versäumnisse" Strieders nach einem Jahr großer Koalition in Berlin. Die U 5, die im Konzept bis 2004 fehlt, bleibe für die CDU zentrale Maßnahme", sagte der verkehrspolitische Sprecher, Alexander Kaczmarek. Auch der Bau der Straßenbahnlinie Prenzlauer Tor-Alexanderplatz verzögere sich. Insgesamt werde der Auto-Verkehr zu sehr behindert, beispielsweise durch die Sanierung der Stadtautobahn und der Einführung der "Rundum-Grün"- Ampelschaltung für Fußgänger. Die IHK bemängelte, dass der Pendlerverkehr zu kurz komme.

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