• BVG-Chef kritisiert Tariferhöhung des Senats Auch die S-Bahn bemängelt teureres Einzelticket

Berlin : BVG-Chef kritisiert Tariferhöhung des Senats Auch die S-Bahn bemängelt teureres Einzelticket

Klaus Kurpjuweit

BVG-Chef Andreas von Arnim ist verärgert: „Der Senat hat eine aus seiner Sicht populäre Entscheidung getroffen, unter der viele andere leiden müssen.“ Auf Kritik bei der BVG und der S-Bahn stößt die Entscheidung des Senats, den Preis des Einzelfahrscheins um 10 Cent zu erhöhen, damit die Preise für Schüler- und Geschwisterkarten unverändert bleiben können. Mehr zahlen müssen vom 1. August an auch Monats- und Jahreskarteninhaber. Besonders trifft es die Nutzer von Firmentickets. Für sie steigt nicht nur der Grundpreis – zumindest bei neuen Verträgen soll zudem der Rabatt von bisher 15 auf nun nur noch fünf Prozent reduziert werden.

Als „völlig unverständlich“ bezeichnete der Verkehrsexperte der CDU, Alexander Kaczmarek, gestern die Erhöhung des Einzelfahrscheinpreises. Dieses Ticket sei der typische „Einsteiger-Tarif“, mit dem man auch notorische Autofahrer zum Benutzen von Bahnen und Bussen bringen wolle. Im vergangenen April hatten die Verkehrsbetriebe den Preis deshalb um 20 Cent auf 2 Euro gesenkt. Doch mit der Preissenkung war auch eine Einschränkung verbunden. Der Fahrschein gilt seither nicht mehr zwei Stunden lang für beliebig viele Fahrten. Jetzt muss man sein Ziel auf direktem Weg erreichen. Die Rückfahrt muss neu bezahlt werden. Deshalb wollten BVG und S-Bahn den Preis des Einzelfahrscheins nicht nach nur einem Jahr schon wieder erhöhen.

Sie hatten vorgeschlagen, die Schülerkarte um 1,50 Euro auf 27,50 Euro und die Geschwisterkarte um einen Euro auf 17 Euro zu verteuern. Im Abonnement sollten die Preise unverändert bleiben. BVG und S-Bahn verweisen darauf, dass es in Berlin bereits jetzt bundesweit die günstigsten Preise für Schülerkarten gebe. Verglichen mit den normalen Monatskarten, erhöhe sich der Preisnachlass jetzt sogar weiter von 59 auf 61 Prozent. Bei den Geschwisterkarten steige die Ermäßigung von 75 auf 76 Prozent. Der Durchschnittswert bundesweit liege dagegen bei etwa 30 Prozent.

Die Tarifpolitik schrecke Stammkunden und Gelegenheitsfahrgäste ab, kritisierte Claudia Hämmerling (Grüne). CDU-Experte Kaczamarek fordert, eine „langfristige, attraktive Tarifstruktur“ zu vereinbaren. Das jährliche Gefeilsche um neue Tarife müsse beendet werden.

Die übernächste Tariferhöhung soll auch nicht nach einem Jahr, sondern frühestens zum 1. Januar 2007 kommen. Im Herbst 2006 sind nämlich Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zum Bundestag. Unmittelbar vorher soll es nach dem Willen der Parteistrategen keine Tariferhöhung geben. Danach aber werden wohl auch die Preise für Schüler- und Geschwisterkarten steigen.

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