Berlin : BVG: Das Sicherheitskonzept geht nicht auf

Klaus Kurpjuweit

Die BVG kann ihr versprochenes Sicherheitskonzept für die U-Bahnhöfe nicht umsetzen, weil Personal dafür fehlt. Die meisten Stationen sind deshalb weiter unbesetzt. Selbst auf den Stationen mit nur einem Ausgang sind die Mitarbeiter oft nur schwer - oder gar nicht - zu finden. Für diese Bahnhöfe hatte die BVG nach dem Brand im Bahnhof Deutsche Oper eine Dauerbesetzung angekündigt - zumindest so lange, bis die Ursache des Feuers vom 8. Juli 2000 geklärt ist. Die Gutachten dazu sind noch nicht abgeschlossen. Bei dem Feuer war der einzige Ausgang blockiert, weil der brennende Wagen direkt neben der Treppe stand.

Bei einer Stichprobe des Tagesspiegels war vom versprochenen BVG-Personal auf diesen Bahnhöfen allerdings nicht viel zu sehen. Keine Mitarbeiter zu finden waren an einem Werktagnachmittag zwischen 16 Uhr und 18 Uhr auf den Stationen Viktoria-Luise-Platz, Rathaus Schöneberg und Innsbrucker Platz der Linie U 4, die alle nur einen Ausgang haben. Fehlanzeige auch auf den Bahnhöfen Theodor-Heuss-Platz und Uhlandstraße. Im Abfertigunshäuschen saßen Mitarbeiter auf den Stationen Deutsche Oper, Sophie-Charlotte-Platz und Konstanzer Straße. Ständig besetzt sein sollen zudem die Bahnhöfe Schillingstraße, Britz-Süd und Rudow. Nach Angaben von Fahrgästen ist aber auch dort das Personal nur sporadisch zu sehen.

Die Anweisung, zumindest die Stationen mit nur einem Ausgang ständig zu besetzen, werde umgesetzt, sagte dazu der Sicherheitschef der BVG, Horst Winkler. Er hält es für ausgeschlossen, dass einer dieser Bahnhöfe nicht besetzt war. Möglicherweise seien die Mitarbeiter, aus welchen Gründen auch immer, nur nicht zu sehen gewesen. Man nehme die Sache aber sehr ernst und werde die Dienstpläne prüfen.

Der Sicherheitschef der BVG gibt jedoch zu, dass es zu wenige Mitarbeiter für die angestrebte "Präsenz" auf den Bahnhöfen gibt. Zum 1. April des vergangenen Jahres hatte die BVG versprochen, dass es wieder Ansprechpartner auf den Bahnhöfen geben soll, die sich nicht in ihren Häuschen verstecken. Zuvor hatte sie alle Zugabfertiger von den Bahnhöfen abgezogen. Die Präsenzkräfte sollten sich in der Regel um mehrere Bahnhöfe kümmern. Vorgesehen waren für sie zwei oder drei Stationen, die sie abwechselnd aufsuchen sollten.

Doch von den einst 350 dafür vorgesehenen Mitarbeitern sind nach Winklers Angaben inzwischen nur noch etwa 200 übrig geblieben. Die BVG ist stolz, die Zahl der Mitarbeiter erstmals unter die 14 000er Grenze gedrückt zu haben. Mitarbeiter für den Sicherheitsdienst dürfen nach Winklers Angaben nur aus dem Personalüberhang geommen werden. Die 200 Verbliebenen müssen sich um 170 Bahnhöfe kümmern.

Ihr Einsatzbereich ist deshalb erheblich ausgedehnt worden. Er reicht jetzt zum Beispiel auf die Bereiche zwischen Bülowstraße und Alexanderplatz, zwischen Alexanderplatz und Tierpark, zwischen Olympiastadion und Zoo, zwischen Krumme Lanke und Podbielskiallee oder zwischen Fehrbelliner Platz und Wittenbergplatz. Die Wahrscheinlichkeit, eine "Präsenzkraft" auf einem Bahnhof zu treffen, ist so nicht besonders groß.

Die BVG hatte die "Präsenzkräfte" eingeführt, nachdem es massive Kritiv von Fahrgästen und aus der Politik an den personalfreien Bahnhöfen gegeben hatte. Zur ständigen Besetzung der Stationen mit nur einem Ausgang entschloss sie sich, nachdem am 8. Juli des vergangenen Jahres ein U-Bahn-Wagen auf dem Bahnof Deutsche Opfer ausgebrannt war. Den Fahrgästen war die Flucht über den einzigen Ausgangs versperrt, weil der brennende Wagen direkt neben der Treppe stand.

Sollten diese Bahnhöfe nur sporadisch besetzt sein, wäre dies ein unhaltbarer Zustand, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. Bisher habe die BVG Glück gehabt, dass nichts Schlimmes passiert sei.

Glück können auch Schwarzfahrer haben. Denn die Personalmisere hat dazu geführt, dass auch die Zahl der "Schaffner im Kontrolldienst" zurückgegangen ist - von etwa 440 auf 368.

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