Berlin : BVG denkt um: Schülerkarten könnten billig bleiben

Verkehrsbetriebe und S-Bahn bieten als Alternative für die geplante Erhöhung der Preise den Verzicht auf die gleitende Monatskarte an

Klaus Kurpjuweit

Überraschende Wende bei den Tarifplänen von BVG und S-Bahn: Die Preise für Schülerkarten, die drastisch erhöht werden sollten, könnten die zum 1. August geplante allgemeine Tariferhöhung sogar unverändert überstehen. Auch die Geschwisterkarte, die BVG und S-Bahn abschaffen wollten, bliebe dann erhalten. Dafür müssten andere mehr zahlen.

Als Ausgleich würde etwa die „gleitende Monatskarte“ entfallen, bei der die Käufer wählen können, von welchem Tag an sie gilt. Durch den Verzicht auf diese erst vor wenigen Jahren eingeführte gleitende Monatskarte würden BVG und S-Bahn etwa so viel Geld mehr einnehmen wie bei der ursprünglich geplanten Erhöhung der Schülerkarten-Preise, die von den Verkehrsbetrieben immer noch favorisiert wird. Da Fahrgäste mit dieser Karte genau planen können, in welchen Zeitraum sie gilt, können sie den Kauf an Urlaubs- und Krankheitszeiten orientieren. So kaufen sie, aufs Jahr gerechnet, oft zwei oder gar drei Monate keine Marke, was die Einnahmen schmälert.

Genehmigt werden die Tarife von der Verkehrsverwaltung. Und Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat schon mehrfach angekündigt, dass der Wegfall der Geschwisterkarte und die Erhöhung des Schülerkartenpreises für sie nicht in Frage komme. Deshalb suchten BVG und S-Bahn nach einer Kompensation.

Dass die Preise zum 1. August teilweise drastisch erhöht werden sollen, liegt wiederum an den Beschlüssen der Politik. Allein bei der BVG fehlen in diesem Jahr fast 40 Millionen Euro in der Kasse, weil Senat und Bundesregierung das Geld für den Schülerverkehr und für die Fahrten von Schwerbehinderten drastisch kürzen. So gibt es für Schülerkarten vom Senat rechnerisch nur noch Zuschüsse für fünf Tage – der Sonnabend als bisher fiktiver Schultag wurde gestrichen.

Insgesamt wird es 2005 nur noch etwa 97 Millionen Euro als Ausgleichszahlung geben – statt 137 Millionen Euro im vergangenen Jahr. BVG und S-Bahn wollten deshalb die Nutzer selbst zur Kasse bitten. Die Geschwisterkarte, die jetzt 16 Euro kostet, sollte wegfallen, die Schülerkarte, die derzeit 26 Euro kostet, in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Bis zum vollendeten 14. Lebensjahr sollte der Preis auf 22 Euro sinken, für die älteren Schüler dagegen auf 31 Euro steigen. Damit wären die Preise für Schülerkarten in Berlin immer noch viel günstiger als in anderen Städten, argumentieren die Befürworter.

Kritiker wie der Fahrgastverband IGEB bezeichneten diese Pläne dagegen als „instinktlos“, weil sich für diejenigen, die älter als 14 Jahre sind und jetzt mit einer Geschwisterkarte fahren, der Preis fast verdoppeln würde – von 16 Euro auf dann 31 Euro.

In der Hinterhand haben die Verkehrsbetriebe noch eine weitere Alternative: Geschwisterkarte und Schülerticket bleiben erhalten, der Preis erhöht sich aber jeweils um drei Euro. Dieser Variante werden jedoch weniger Chancen eingeräumt.

Mehr zahlen sollen, wie berichtet, auch die Inhaber von Firmentickets, bei denen der Rabatt von derzeit maximal 15 Prozent auf nur noch 5 Prozent gesenkt werden soll. Jahreskarten sollen sich um 6 bis 7 Prozent verteuern, feste Monatskarten um 4 bis 5 Prozent. Unverändert bleiben soll der Preis des Einzelfahrscheins im Stadtgebiet.

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