Berlin : BVG: Der Große Gelbe kehrt zurück

Klaus Kurpjuweit

Der Doppeldecker-Bus erlebt eine Renaissance. Nach Jahren der Abstinenz will die BVG jetzt wieder neue Fahrzeuge beschaffen. Und während die Zahl der Doppeldecker in der Vergangenheit stets abgenommen hat, will die BVG den Bestand sogar nun erhöhen - wenn ihr die Industrie ein günstiges Angebot macht. Derzeit leidet die BVG unter einem Mangel an einsetzbaren "Großen Gelben". Sogar auf den Paradestrecken, der Linie 100, die vom Alexanderplatz zum Zoo fährt oder der 119, die auf dem Kurfürstendamm unterwegs ist, müssen als Ersatz auch kurze Eindecker eingesetzt werden. Den letzten neuen Doppeldecker erhielt die BVG 1994.

Etwa Ende des Jahres soll der Kauf nach Angaben von Busdirektor Rainer Lawerentz europaweit ausgeschrieben werden. Ende nächsten Jahres könnten dann die ersten Fahrzeuge als Prototypen zum Test auf den Berliner Straßen eintreffen. Pro Jahr ist anschließend der Kauf von etwa 40 Doppeldeckern vorgesehen. Weil der Bestand inzwischen unter dem Soll liegt, denkt Lawerentz daran, zumindest am Anfang der Neubeschaffung jeweils zwei Jahresraten zu ordern.

Die BVG will ihren Busbestand von insgesamt 1400 Fahrzeugen zu jeweils etwa einem Drittel auf Eindecker, auf Gelenkbusse und auf Doppeldecker aufteilen, von denen es jeweils knapp 500 geben wird. Anfang der 90er Jahre besaß die BVG allein im Westteil der Stadt noch gut tausend Doppeldecker. Den Bestand hatte die BVG verringert, weil die Doppeldecker in der Anschaffung rund 100 000 Mark teurer waren als Gelenkbusse. Lawerentz ist aber überzeugt, dass sich diese Differenz verringern lässt. Auch im Lokomotivbau sind die Preise in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Wenn die "Großen Gelben" billiger werden, seien sie für die BVG auch wirtschaftlich einzusetzen, betont der Busdirektor.

Die neue Generation der Busse soll nämlich mehr Fahrgäste aufnehmen können als die bisherigen Typen, wobei dann allerdings im vollen Bus auch mehr als bisher stehen müssen. Dann können aber statt 90 Fahrgästen 120 bis 130 mitgenommen werden. Deshalb wird der Neue mit 13,5 Meter eineinhalb Meter länger als seine Vorgänger, und er erhält drei Achsen.

Und für die Fahrgäste soll im neuen Doppeldecker fast alles besser werden. Eine niedrigere Fußbodenhöhe erleichtert den Einstieg, und eine Klimaanlage soll die Fahrt auf dem Oberdeck auch bei Sonnenschein erträglich machen. Bei der Höhe des Fahrzeugs will die BVG eine Ausnahme durchsetzen. Nach der EU-Norm ist bei 4 Metern Schluss, die BVG-Doppeldecker sollen aber fünf oder sechs Zentimeter höher werden, damit auch im Oberdeck große Fahrgäste nicht sofort gegen die Decke stoßen. Auch für die Sitzanordnung gebe es mehr Spielraum, so Lawerentz.

Die Busse erhalten zunächst noch einen herkömmlichen Dieselantrieb, sie sollen aber für den späteren Einbau von Brennstoffzellen vorbereitet werden.

Der Mangel an Fahrzeugen hatte zuletzt dazu geführt, dass die BVG 25 gebrauchte Doppeldecker aus Lübeck kaufte. Dort verkehren seit Jahren Busse nach dem Berliner Vorbild. Sie sollten nur bei Ausfall von U-Bahnen oder Straßenbahnen im Schienenersatzverkehr eingesetzt werden, sagte Lawerentz, doch sie mussten auch im Liniendienst ran, ohne dass sie umgebaut wurden. Ende des Jahres sollen die Gebrauchten weiterverkauft werden.

Eigene alte Fahrzeuge werden derzeit überholt. Zehn Doppeldecker erhalten nach Angaben von Lawerentz pro Monat eine neue Inneneinrichtung und werden neu lackiert. Auch Roststellen mussten beseitigt werden. Jetzt gilt es, die Zeit zu überbrücken, bis die neuen "Flaggschiffe" der BVG eintreffen.

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