BVG : Endstation Hönow: Sturmowski fährt U 5

Der scheidende BVG-Chef Andreas Sturmowski fährt vor seinem Abschied zum ersten Mal die gesamte U 5. Und wundert sich über die vielen leeren Abstellgleise in Hönow.

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BVG-Chef Andreas Sturmowski verlässt den Betrieb.
BVG-Chef Andreas Sturmowski verlässt den Betrieb.Foto: J. Donath

Der Kontrolleur merkt nichts – oder er lässt sich nichts anmerken. Er nickt nur wortlos, als ihm Noch-BVG-Chef Andreas Sturmowski bei der Fahrscheinkontrolle den Dienstausweis präsentiert. Sturmowski fuhr an seinem vorletzten Arbeitstag zum ersten Mal mit der U-Bahn nach Hönow – begleitet vom Tagesspiegel. In den fünf Jahren zuvor hatte der BVG-Chef, dessen Vertrag nicht verlängert worden ist, diese Fahrt mit der U 5 nicht geschafft.

Dabei habe er vorgehabt, zumindest alle Strecken der U-Bahn abzufahren, versichert Sturmowski. Wäre er von Anfang an für den Betrieb zuständig gewesen, hätte er dies auch umgesetzt, ist er sich sicher. Doch zu Beginn seiner Amtszeit war Sturmowski noch für die Finanzen des Unternehmens verantwortlich, den Betriebsbereich hatte er erst Ende 2008 übernommen.

In Hönow, dem Endpunkt der Strecke, sieht Sturmowski nun auch endlich den leerstehenden Verwaltungsplattenbau aus DDR-Zeiten, den er als Finanzvorstand nicht verkaufen konnte. „Sieht besser aus, als ich gedacht habe“, meint er. Erstaunt ist er über die große Abstellanlage, auf deren Gleisen kein einziger Zug steht. Die Lösung bringt ein Anruf beim U-Bahnchef: Geplant war zu DDR-Zeiten, die U-Bahn alle 135 Sekunden fahren zu lassen. Für die benötigten Züge war viel Platz erforderlich. Heute kommt die U-Bahn nur alle zehn Minuten nach Hönow, und die BVG stellt dort nur noch wenige Züge in der Nacht ab.

Zufrieden registriert Sturmowski, dass der Parkplatz am Bahnhof fast voll ist. „Das Park-and-Ride-System mit dem Umsteigen vom Auto in die Bahn ist eine feine Sache“, sagt er. Leider kümmere sich die Verwaltung zu wenig darum.

Bei der Rückfahrt um die Mittagszeit füllt sich der Zug auch wieder schnell. Nachts, wenn es einsamer ist, möchte er aber nicht unbedingt hier unterwegs sein, gibt Sturmowski zu. Sein schon zu Beginn seiner BVG-Zeit vorgebrachter Wunsch, die Züge nachts von Sicherheitspersonal begleiten zu lassen, ist vom Senat nicht erfüllt worden.

Am Alexanderplatz angekommen, sinniert Sturmowski, wie schön es wäre, jetzt bis zum Hauptbahnhof weiterfahren zu können. Immerhin sei der Weiterbau der Strecke, für den er sich eingesetzt hatte, jetzt endgültig gesichert, der Gedanke, den Bau aufzugeben, vom Tisch. Daran ändere auch ein Bericht der „BZ“ vom Mittwoch nichts, in dem es hieß, bereits bei den archäologischen Grabungen vor dem Roten Rathaus drohe der Platz wegzubrechen. „Das ist völliger Quatsch“, sagt Sturmowski. Außerhalb der Baustelle seien bei Arbeiten der Telekom zwei übereinanderliegende und nicht verfüllte Keller der früheren Bebauung entdeckt worden, die die Statik der Baustelle nicht gefährdeten.

Sturmowski hat jetzt Zeit, noch mehr U-Bahn-Strecken zu erkunden. Bis Ende Oktober kann er bei Kontrollen sogar weiter seinen so lange gültigen Dienstausweis zeigen. Klaus Kurpjuweit

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