Berlin : BVG entdeckt ihre Liebe zu den Doppeldeckern

Vor wenigen Jahren sollten die „Großen Gelben“ von den Straßen verschwinden Jetzt planen die Verkehrsbetriebe den Kauf weiterer 200 Fahrzeuge

Klaus Kurpjuweit

Vor kurzem wäre er beinahe abgeschafft worden – jetzt soll er noch präsenter werden: der Doppeldeckerbus der BVG. Das Unternehmen will weitere 200 der „Großen Gelben“ anschaffen und hätte dann knapp 600 dieser Fahrzeuge im Bestand. Mehr sollen es aber nicht werden, sagte BVG- Chef Andreas Sturmowski. Insgesamt besitzt die BVG derzeit eigenen Angaben zufolge 1333 Busse.

Es ist nicht nur Nostalgie, warum die BVG am Doppeldecker festhält, der zu den Wahrzeichen der Stadt gehört. Seit Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist er auf Berlins Straßen unterwegs, abgeguckt von England. „Der Doppeldecker hat sich auch technisch bewährt“, sagte Sturmowski. Die neue Generation sei ausgereift und mache im Betrieb kaum Probleme.

Vor vier Jahren waren die ersten Fahrzeuge einer neuen Serie geliefert worden, nachdem die BVG zuvor seit 1995 keine Doppeldecker mehr angeschafft hatte. Sie galten als zu teuer und sollten ersetzt werden. Hier habe der 18 Meter lange Gelenkbus die Erwartungen erfüllt, vom 15 Meter langen Eindecker werde man sich aber wieder trennen, kündigte Sturmowski an. Dieser Fahrzeugtyp wird häufig am Heck beschädigt, weil er in Kurven stark ausschwenkt und dabei oft andere Autos touchiert.

Der Doppeldecker dagegen ist nur 13,7 Meter lang. Er hat Platz für insgesamt 128 Fahrgäste, von denen 83 sitzen können, weit mehr als in den anderen Typen. Der Gelenkbus ist zwar für 151 Personen zugelassen, hat aber nur 45 Sitzplätze, und in den 15 Meter langen Eindecker passen 133 oder 139 Fahrgäste, für die es lediglich 42 oder auch nur 28 Sitzplätze gibt.

Obwohl der Doppeldecker die meisten Sitzplätze hat, wird es nach Sturmowskis Angaben aber nur maximal 600 davon bei der BVG geben. Weil viele Brücken in der Stadt zu niedrig für den 4,06-Meter- Bus sind, könnten nicht mehr Doppeldecker eingesetzt werden. Ein solches Hindernis ist immerhin vor kurzem beseitigt worden. Unter die neue Bahnbrücke an der Drakestraße in Lichterfelde passen jetzt auch Doppeldecker; am alten Bauwerk waren Große Gelbe – auf Dienstfahrten – mehrfach hängen geblieben. Mehr als ein Dutzend Mal ist dies in den vergangenen Jahren auch an anderen Brücken passiert, zuletzt Ende 2007 an der Klemkestraße in Reinickendorf.

Zu niedrige Brücken seien auch der Hauptgrund, dass Doppeldecker trotz ihrer Vorteile nur ganz selten in anderen Städten eingesetzt werden, sagte Sturmowski. Europaweit werden allerdings ausrangierte BVG-Busse mit in der Werkstatt abgesägtem Oberdeck für Stadtrundfahrten eingesetzt.

Weil es für den Doppeldecker im Linienverkehr kaum einen Markt gibt, waren die Fahrzeuge meist teurer als ein Gelenkbus. Erst vor der jüngsten Anschaffung war es der BVG gelungen, den Preis so weit zu drücken, dass der Doppeldecker nicht länger mehr kostete. Zuletzt musste die BVG für ihn dem Vernehmen nach rund 330 000 Euro ausgeben.

Auch bei den nächsten 200 geplanten Doppeldeckern müsse „der Preis stimmen“, sagte BVG-Chef Andreas Sturmowski. Würden die Busse zu teuer, käme mittelfristig doch noch das Aus für die rollenden Wahrzeichen auf Berlins Straßen.

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