BVG : Fahrgastverband fordert Verzicht auf kurze Bahnen

Zum einen will die BVG zunächst weniger neue Trams anschaffen als ursprünglich geplant. Zum anderen sollen diese dann angeblich auch noch weniger Menschen befördern können als die alten. Der Fahrgastverband Igeb ist empört.

Klaus Kurpjuweit

Um die Bestellung neuer Flexity-Straßenbahnen für die BVG ist ein Streit um die Länge der Fahrzeuge entbrannt. Nachdem die BVG die Zahl der neuen Bahnen zunächst von 148 auf 99 reduziert hat, sollten jetzt wenigstens nur die 40 Meter langen Züge angeschafft werden, fordert der Fahrgastverband Igeb. Die BVG will nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Reetz je etwa zur Hälfte kurze und lange Bahnen kaufen.

Der Kauf kurzer Fahrzeuge wäre eine „schwerwiegende Fehlentscheidung“, kritisierte am Montag der Igeb-Vorsitzende Christfried Tschepe. Die Verkehrsexpertin der Grünen, Claudia Hämmerling, verlangt, die Bestellung zurückzustellen. Den Kauf der 99 Bahnen soll der Aufsichtsrat der BVG am 29. Juni beschließen. Nur die lange Version könne die Bahnen ersetzen, die heute bei großer Nachfrage als Zwei-Wagen-Zug eingesetzt werden, argumentieren Hämmerling und Tschepe. Den höheren Anschaffungskosten für die langen Fahrzeuge stünden Einsparungen und erhebliche Qualitätsverbesserungen im Betrieb gegenüber.

Dagegen verweist Reetz auf Linien mit geringerem Andrang und auf die verkehrsschwachen Zeiten, etwa in der Nacht. 40 Meter lange Bahnen seien in diesen Fällen zu groß, deshalb benötige die BVG auch die kürzeren Bahnen.

Prager Modelle werden ausgetauscht

Die neuen Fahrzeuge sollen von 2010 an die Bahnen ablösen, die einst in Prag für die Verkehrsbetriebe auch in der DDR gebaut worden waren. Diese Bahnen müssten sonst aufwendig saniert werden, was sich nach Ansicht der BVG nicht mehr lohnt. Neue Bahnen haben auch einen fast stufenlosen Einstieg, während die Tatra-Bahnen aus Prag nur über mehrere Stufen zu betreten sind. Zudem haben die neuen Bahnen in zwei Abteilen mehr Platz für Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder.

Insgesamt hat die BVG mit dem Hersteller Bombardier eine Option über den Kauf von maximal 210 neuen Straßenbahnen mit vier verschiedenen Typen vereinbart. Finanziert werden sollen die Züge vom Senat. 

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