Berlin : BVG: Familien fahren bald billiger

Klaus Kurpjuweit

Fahrten mit Bahnen und Bussen können für Familien vom 1. August an billiger werden - die für September geplante große Umstellung des Nachtnetzes ist vom BVG-Vorstand dagegen verschoben worden. Gestern stimmten die Verkehrsbetriebe des Verbundes in Berlin und Brandenburg im Prinzip dem Tarifkonzept von Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) zu. Damit können die Preise für Schülermonatsmarken drastisch sinken. Der Preis der ABC-Jahreskarte bleibt, anders als geplant, unverändert. Die Betriebe wollen aber auch die von Strieder gestrichene Freizeitkarte einführen, die zu Fahrten nach 18.30 Uhr und am Wochenende berechtigt.

Akzeptiert haben die Betriebe die Preissenkung bei den Schülerkarten in Berlin. Statt 60 Mark kostet eine Monatskarte dann für das erste Kind 45 Mark; weitere Geschwister zahlen jeweils nur noch 30 Mark. Bisher gab es überhaupt keinen Rabatt. Für drei Kinder musste eine Familie so für die Monatskarten 180 Mark zahlen, jetzt sind nur noch 105 Mark fällig. Teuer bleiben dagegen auch für Schüler die Fahrten zwischen Berlin und dem Umland. Hier steigt der Preis im BC-Bereich von 82 Mark auf 86 Mark und im ABC-Gebiet von 98 Mark auf 102 Mark.

Zustimmung gab es auch für die neue, personengebundene Berlin-Card. Sie kostet im Jahr einmalig 69 Mark und berechtigt zum Kauf von Ermäßigungsfahrscheinen für alle Fahrten. Parallel dazu wollen die Verkehrsbetriebe aber auch die Freizeitkarte einführen, die monatlich 45 Mark oder 55 Mark (Plus-Variante, die die Mitnahme von drei Kindern erlaubt) kostet. Strieder und die BVG wollten - als Ausgleich für die Berlin-Card - auf die Freizeitkarte verzichten. Auf ihre Einführung gedrängt haben dagegen die S-Bahn und viele Betriebe aus dem Umland. Sie hoffen, so in den verkehrsschwächeren Zeiten mehr Fahrgäste gewinnen zu können.

Nicht durchgesetzt haben sich Strieder und die BVG bei den anderen Betrieben mit der geplanten Erhöhung des Tageskarten-Preises im ABC-Gebiet. Die Unternehmen waren über Strieders Alleingang verärgert. Die Tageskarte soll nun vom 1. August an, wie ursprünglich geplant, statt 9,90 Mark "nur" 12,40 Mark kosten. Strieder und die BVG wollten dagegen 13 Mark kassieren. Unverändert bleibt jetzt auch der Preis der ABC-Jahreskarte, der ursprünglich von 1235 Mark auf 1292 Mark (Standard) steigen sollte.

Einig ist man sich dafür bei der Kleingruppenkarte, die abgeschafft wird. Sie ermöglichte für bis zu fünf Personen Fahrten für zusammen 21 Mark in Berlin oder 25 Mark in Berlin und im Umland. Damit seien vor allem viele Senioren, die keine verbilligten Karten erhalten, die Verlierer der Tarifreform, kritisiert Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB. Gerade die Älteren hätten diese Karten für gemeinsame Fahrten genutzt. Die endgültige Entscheidung zu den Tarifen soll am 14. Februar im VBB-Aufsichtsrat fallen.

Neues Nachtnetz erst später

Schon verabschiedet hat sich der BVG-Vorstand dagegen von der Umstellung des Nachtnetzes, wie es Verkehrssenator Peter Strieder bereits vorgestellt hatte. Nach Ansicht der BVG ist es bis September nicht möglich, die umfangreiche Neustrukturierung des Netzes "bis ins Detail zu optimieren". Probleme gebe es vor allem beim erforderlichen Leit- und Informationssystem.

Nach dem neuen Konzept sollen alle U-Bahnen mit Ausnahme der Linien U 15 und U 4 am Wochenende und vor Feiertagen im 30-Minuten-Abstand, der in der Innenstadt auf 15 Minuten verkürzt wird, rund um die Uhr fahren. Werktags sollen nachts Busse auf der gleichen Streckenführung wie die U-Bahn verkehren. Auch beim Buss sollen die Nachtlinien dem Tagesverkehr entsprechen. Ein 24-Stunden-Betrieb ist zudem auf sieben Straßenbahnlinien geplant.

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