Berlin : BVG führt ihre Kunden weiter in die Irre

Umsteigen, bitte! Geänderte Linienführung auf der U 2 lässt Fahrgäste verzweifeln – das Unternehmen weist die Kritik zurück

Klaus Kurpjuweit

Was die ganze Zeit schlecht war, braucht man auch im neuen Jahr nicht zu ändern. So scheint zumindest die BVG zu denken, die weiter täglich unzählige Fahrgäste bei der U-Bahn ratlos macht. Vor allem Gelegenheitsfahrer und Touristen finden sich nicht mehr zurecht, seit die BVG wegen Bauarbeiten die Linien U 1, U 2 und U 3 umgestellt hat. Die Informationen für die Fahrgäste seien völlig unzureichend, kritisiert Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB.

Seit dem 18. August saniert die BVG marode Brücken am Bahnhof Gleisdreieck. Deshalb ist der Verkehr auf der U 2 unterbrochen. Die Züge fahren nur zwischen Pankow und Gleisdreieck. Wer aus Richtung Pankow gen Ruhleben will, muss am Gleisdreieck vom unteren auf den oberen Bahnsteig wechseln und mit der neu eingerichteten U 12 weiterfahren. Die U 12 verkehrt zwischen Ruhleben und Warschauer Straße. Dafür hat die BVG die sonst von der Warschauer Straße zur Uhlandstraße fahrende U 1 auf den Abschnitt Wittenbergplatz-Uhlandstraße verkürzt.

Besonders unübersichtlich für die Fahrgäste ist seither die Situation auf dem Bahnhof Potsdamer Platz. Dort müssen sie den aus Pankow kommenden Zug verlassen und auf die andere Bahnsteigseite wechseln, wo es dann bis Gleisdreieck weitergeht. Von diesem Gleis fahren aber auch wieder die Züge nach Pankow zurück. Wer nicht aufpasst, steigt in den falschen Zug und kommt wieder dort an, wo er her gekommen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass beim Fünf-Minuten- Betrieb erst zwei Züge nach Pankow fahren, ehe die Bahn Richtung Gleisdreieck kommt. Hinweise sind rar, auch auf den elektronischen Hinweistafeln. Mitarbeiter, die Auskunft geben könnten, findet man nur selten. Und sind sie einmal ansprechbar, wissen sie nicht immer Bescheid. So konnte ein BVG-Mitarbeiter einer Kundin nicht einmal sagen, wie sie zum Bahnhof Warschauer Straße kommen könne.

Auf Umsteigebahnhöfen wie Wittenbergplatz, Nollendorfplatz, Möckernbrücke, Hallesches Tor und Kottbusser Tor ließ die BVG die alten Linienbezeichnungen in der Regel hängen. Fahrgäste wie Gerda Vohrer aus Hessen folgen dann dem ausgewiesenen Weg zur U 1 und sehen auf dem Bahnsteig nur die Abfahrtszeiten der U 12. Dafür tragen die Stationsschilder weiter den Hinweis auf die U 1. Selbst auf dem Bahnhof Zoo geraten Fahrgäste in dieses Informationsdurcheinander. Da es auch kaum Personal gibt, wird der Blumenhändler zur gefragten Auskunftsperson. Wer Hilfe in einem Netzplan der U-Bahn sucht, hat auch Pech, denn auch die derzeit verteilten Pläne zeigen nur den alten Stand. Dass die U 2 unterbrochen ist, ist nicht vermerkt.

Die BVG selbst weist Kritik an ihrer Informationspolitik zurück: Beschwerden gebe es kaum, der Betrieb funktioniere ausgezeichnet.

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