BVG : Gut bezahlter Schleudersitz

Die BVG sucht einen neuen Chef, nachdem auch Andreas Sturmowskis Vertrag nicht verlängert wurde. Doch bisher mussten die Vorstände meist vorzeitig aufgeben.

Klaus Kurpjuweit

Der Job ist gut bezahlt – aber wer ihn annimmt, platziert sich auf einen Schleudersitz. Zumindest bei der BVG. In den vergangenen Jahren sind Verträge mit Vorständen in der Regel nicht mehr verlängert werden. Auch der jetzige BVG-Chef Andreas Sturmowski muss nach nur einer Amtszeit spätestens im nächsten Herbst das Unternehmen verlassen. Unter diesen Umständen muss Finanzsenator Ulrich Nußbaum als Aufsichtsratsvorsitzender bei dem Verkehrsbetrieb nun einen Nachfolger finden – oder eine Nachfolgerin. In den vergangenen Jahren war die Suche stets langwierig und mit vielen Absagen gespickt. Die Buchstaben BVG werden längst als „Brutal Vergraulte Geschäftsführung“ interpretiert.

Im Frühjahr 2008 hatte Nußbaums Vorgänger Thilo Sarrazin (SPD) überraschend mitgeteilt, dass der Vertrag mit dem damaligen Technik-Vorstand Thomas Necker nicht verlängert werde. Necker schied dann im Sommer vorzeitig aus. Dabei war ihm wenige Monate zuvor noch zugesagt worden, dass er bei der BVG bleiben könne. Zwischen ihm und Sturmowski stimmte aber „die Chemie“ nicht mehr. Auch Neckers Vorgänger Hans-Heino Dubenkropp hatte nach zehn Jahren  aufgeben müssen. Bereits im Sommer 2006 schickte Sarrazin den damaligen Personalvorstand Hilmar Schmidt-Kohlhas zwei Jahre vor Vertragsablauf nach Hause. Auch sie konnten nicht miteinander. Und im Herbst 2002 musste der damalige Finanz-Chef Joachim Niklas vorzeitig gehen.

Die Ausgeschiedenen erhielten ihr Geld bis zum Vertragsende von der hoch verschuldeten BVG weiter. Bei Personalentscheidungen in seinem Sinn war Sarrazin nicht knausrig. Ob Sturmowski, der von Sarrazin geholt worden war, bis zum Auslaufen seines Vertrags 2010 an der BVG-Spitze bleibt, ist ungewiss. Er selbst wolle weitermachen, sagte er dem Tagesspiegel. „Wenn man mich lässt.“ Bezahlen müsste man ihn so oder so. Im vergangenen Jahr erhielt er laut Geschäftsbericht insgesamt rund 387 000 Euro.

Nach dem Gesetz und den Vorgaben des Senats muss die Stelle ausgeschrieben werden, damit Frauen eine Chance erhalten, sich zu bewerben. Bei anderen Unternehmen ist dieses Verfahren längst üblich. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG sucht derzeit einen „kaufmännischen Vorstand (w/m)“. Als neue Chefin der BVG wurde bereits die ehemalige Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) gehandelt.

Ende 2008 hatten Sarrazin und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) mit Henrik Falk noch ohne Ausschreibung einen Mann auf einen Vorstandssessel bei der BVG gehievt, obwohl das Gesetz seit 2006 gilt. Dieses Verfahren war heftig kritisiert worden. Juristen hegen Zweifel, ob Falk rechtmäßig im Amt ist.

Sturmowski wird vorgeworfen, Millionenbeträge in den Sand gesetzt zu haben. Nach dubiosen Finanztransaktionen musste die BVG vorsichtshalber 156,1 Millionen Euro in der Bilanz zurückstellen. Zudem war der Umzug der Hauptverwaltung von der Potsdamer Straße in Schöneberg zur Holzmarktstraße in Mitte bei weitem nicht so günstig, wie von Sturmowski – und Falk – erwartet. Sie hatten bis 2020 einen Vorteil in Höhe von 44,4 Millionen Euro erwartet, jetzt sollen es noch 27,9 Millionen Euro sein.

Zudem bemängelt Nußbaum dem Vernehmen nach, dass wichtige Entscheidungen bei der BVG nicht nachvollziehbar seien, weil Verhandlungen oft nicht protokolliert wurden. Grundsätzlich gebe es zu viele strukturelle Probleme in der BVG. Klaus Kurpjuweit

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