BVG : Kein Wachschutz im Waggon

Der Senat gibt kein Geld für zusätzliches Sicherheitspersonal im öffentlichen Nahverkehr, anders sieht es im Regionalverkehr aus. BVG-Mitarbeiter sind verärgert.

Klaus Kurpjuweit
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Technik muss reichen. Für Zug- und Busbegleiter fehlen der BVG die Mittel. -Foto: dpa

Im vergangenen Jahr wurden 4759 Körperverletzungen in BVG und S-Bahn gezählt. Mehr als 90 Busfahrer wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres angegriffen – zuletzt in der Nacht zu Sonnabend, als am Oranienplatz Eier auf einen Fahrer geworfen wurden, kaum hatte er die Tür geöffnet. Doch der Senat will kein zusätzliches Geld für mehr Sicherheit bei der BVG ausgeben. Der Wunsch von BVG-Chef Andreas Sturmowski, so zusätzliche Streifen in U-Bahnen finanzieren zu können, will das Land als Eigentümer der BVG nicht erfüllen. Großzügiger zeigt sich der Senat im Regionalverkehr der Bahn. Dort ist er bereit, den Einsatz von Zugbegleitern, die früher Schaffner hießen, in den Zügen mitzufinanzieren.

Über zusätzliches Personal bei der BVG für den Sicherheitsdienst sei bei den Verhandlungen über den Verkehrsvertrag zwar gesprochen worden, heißt es in dem Unternehmen, aber Geld dafür habe es nicht gegeben. Die BVG erhält laut dem seit diesem Jahr geltenden Vertrag vom Senat jährlich 75 Millionen Euro als Zuschuss für den Betrieb und 175 Millionen Euro für die Infrastruktur. Zwar ist die BVG derzeit nicht in der Lage, ihre Ausgaben zu decken. Der Senat aber ist der Ansicht, dass die BVG mit den Zuschüssen auch die Sicherheit finanzieren müsse.

Im Regionalverkehr ist das Land dagegen bereit, zusammen mit Brandenburg und den dortigen Kommunen über den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) Begleitpersonal in Zügen zu finanzieren. Der VBB hat mehrere Regionalexpresslinien ausgeschrieben, bei denen er für jeden Zug Begleitpersonal vorsieht; bei den Regionalbahnen auf den Nebenstrecken soll es eine „Begleitquote“ von mindestens 60 Prozent geben.

Diese Vorgaben müssen von den Bewerbern, die die Linien betreiben wollen, in ihrer Kalkulation berücksichtigt und vom VBB dann auch finanziert werden. Der bisherige Betreiber der meisten Linien, die Bahn AG, hat zumindest auf den Nebenstrecken aus den meisten ihrer Züge die Begleiter verbannt. Dies soll durch die Ausschreibung der Strecken zumindest zum Teil rückgängig gemacht werden.

Die starre Haltung des Senats bei der BVG hat die Mitarbeiter dort inzwischen auf die Palme gebracht. Der Chef für den Busbereich, Johannes Müller, erklärte öffentlich, das Unternehmen allein sei nicht mehr in der Lage, Mitarbeiter und Fahrgäste zu schützen. Ein Vorstoß des Betriebsratsvorsitzenden beim BVG-Tochterunternehmen Berlin-Transport, Thomas Wiener, Busse und Bahnen donnerstags jeweils um 8 Uhr und 16 Uhr kurz anzuhalten, damit die Fahrer durch Durchsagen die Passagiere auf das Problem der Übergriffe hinweisen können, ist vom Unternehmen nicht unterstützt worden. Die Stopps würden zu Verspätungen führen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Aber auch die BVG selbst ist mit einem Vorstoß erfolglos geblieben. Das Unternehmen hatte Anzeige gegen eine Band erstattet, in deren Song „Wir ficken die BVG“ es heißt: „Es hat geknackt, als ich den Kontrolletti vor den Zug warf.“ Die meisten Angriffe richten sich gegen Kontrolleure, die die BVG mit der Anzeige schützen wollte. Die Staatsanwaltschaft will aber kein Verfahren eröffnen: Der Text falle unter künstlerische Freiheit.

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