Berlin : BVG klagt über brutale Fahrgäste Dieses Jahr bereits sechs Busfahrer angegriffen.

Unternehmen: „Schläger werden immer dreister“

Jörn Hasselmann

Keine Spur gibt es von dem Jugendlichen, der am Dienstagabend in Steglitz einen Busfahrer der BVG angegriffen und schwer verletzt hat. Wie in einem Teil der gestrigen Auflage berichtet, hatte zuvor eine Frau den 45-jährigen BVG-Busfahrer Kay B. darauf aufmerksam gemacht, dass Jugendliche auf dem Oberdeck rauchen. An der Haltestelle Steglitzer Damm Ecke Bismarckstraße stieg Kay B. die Treppen hinauf und forderte die fünfköpfige Gruppe auf, die Zigaretten auszumachen oder den 282er zu verlassen. Einer der Jugendlichen beleidigte Kay B. daraufhin und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Nach Aussagen der anderen Fahrgäste wollten ihn seine Begleiter zurückhalten, doch der Jugendliche schlug trotzdem zu. Vor Eintreffen der Polizei flüchteten alle fünf. Die Zeugen beschrieben die Gruppe als „Südländer“, nähere Angaben liegen nicht vor. Der Angestellte der BVG-Tochter BT erlitt Verletzungen am rechten Auge und an der Nase. Er wurde in einem Krankenhaus ambulant behandelt. Es ist nach Zählung der BVG bereits der sechste Busfahrer, der dieses Jahr angegriffen wurde. „Die Schläger werden immer dreister“, sagte eine BVG-Sprecherin.

Nach Angaben der BVG gab es im vergangenen Jahr 131 Straftaten gegen das Fahrpersonal. Diese Zahl sei seit Jahren in etwa konstant, im Jahr 2000 waren es 157 Straftaten. Etwa 50 Fahrer ließen sich 2004 krank schreiben. Auch der am Dienstag geschlagene Kay B. meldete sich krank. Noch stärker betroffen von Gewalt waren Kontrolleure und Wachleute. Sorgen macht sich die BVG vor allem über die steigende Brutalität der Schläger. Häufig kämen die Angriffe aus dem Nichts heraus.

Nach dem neuen Angriff auf einen Busfahrer forderte die BVG mehr Härte von der Justiz. „Es werden viele Täter erwischt, aber zu wenig Täter verurteilt“, sagte BVG-Vorstand Thomas Necker gestern. Von den Tätern in diesem Jahr (s. Kasten) wurde bislang nur ein Einziger erwischt: Ein vermutlich verwirrter 20-jähriger Deutscher, der den Fahrer eines Busses als „Scheiß Deutscher“ beschimpfte und ihm drohte „Ich steche dich ab“. Ein Messer hatte der Mann nicht dabei.

Die drei gravierendsten Taten, bei denen vier Angestellte der BVG und drei Zeugen verletzt wurden, sind von Gruppen ausländischer Jugendlicher verübt worden. So hatten etwa zehn arabische Jugendliche in der Gropiusstadt in einem gut besetzten Bus den Fahrer und zwei Fahrgäste, die dazwischengehen wollten, brutal verprügelt.Auch dieser Fall hatte sich im abendlichen Berufsverkehr ereignet, nicht etwa in leeren Bussen nachts.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben