Berlin : BVG-Konflikt: Verdi zeigt sich wieder gesprächsbereit

Auch der Arbeitgeberverband sucht nach Möglichkeiten, einen Streik zu vermeiden

Klaus Kurpjuweit

Der drohende Streik bei der BVG wegen der Tarifauseinandersetzungen kann vielleicht doch noch vermieden werden. Die Gewerkschaft Verdi will nach Tagesspiegel-Informationen den beteiligten Parteien, und damit auch dem Senat, in diesen Tagen ein Gesprächsangebot machen. Dazu hatten die Koalitionsparteien SPD und PDS die Kontrahenten in der vergangenen Woche aufgefordert. Ein Streik sei „überflüssig“, ist der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Christian Gaebler überzeugt.

Dabei könnten ein Niederlegen der Arbeit und das Einstellen des Betriebes bei der BVG für manchen durchaus verlockend sein. Zumindest auf den ersten Blick. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist, hat dem Vernehmen nach bereits durchrechnen lassen, was das Land bei einem Streik der BVG-Beschäftigten sparen würde.

Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Aber ohne den Einsatz der Bahnen und Busse würde die BVG – und damit der Senat – weit mehr als eine Million Euro pro Tag an Kosten sparen. Die streikenden oder dann ausgesperrten Mitarbeiter würden keinen Lohn für die Streiktage bekommen. Und die BVG beschäftigt knapp 9000 Arbeiter.

Aber auch im Fahrzeugbereich würden die Kosten drastisch sinken. Jeder gefahrene Kilometer kostet Geld – für Strom bei der U-Bahn und Straßenbahn, für Diesel bei den Bussen. Hinzu entfallen die Kosten für den Verschleiß der Fahrzeuge. Bahnen und Busse der BVG umrunden rechnerisch immerhin 18 Mal pro Tag die Erde. So ließe sich die BVG bei einem Streik lässig sanieren, spottet ein Insider. Und die Sanierung ist schließlich Ziel der Auseinandersetzungen zwischen dem Senat und der Gewerkschaft.

Doch diese Rechnung geht so nur auf, wenn während des Streiks kein Notdienst organisiert wird. Dazu müsste der Senat die BVG beauftragen, heißt es in dem Unternehmen. Und dafür bezahlen. Selbst wolle die BVG keinen Notdienst auf die Beine stellen. Erste Berechnungen haben nach Tagesspiegel-Informationen ergeben, dass ein solcher Notdienst mit Fahrern und Bussen von privaten Unternehmen vorwiegend aus Berlin und Brandenburg rund eine Million Euro am Tag kosten würde. Damit wäre der Einspareffekt weitgehend aufgezehrt.

Zudem gehen der BVG bei einem Streik auch Einnahmen verloren. Käufer von Monats- und Jahreskarten erhalten bei einem Streik zwar keinen Ausgleich, doch die Einnahmen von den Barzahlern würden fehlen. Denn bei einem Notdienst könnten die Fahrzeuge der fremden Firmen nicht mit den Verkaufssystemen der BVG ausgestattet werden.

Zusammen mit der S-Bahn könne man mit einem Notdienst rund ein Drittel der BVG-Fahrgäste auch bei einem Streik ans Ziel bringen, heißt es bei der BVG. Die Ersatzbusse würden dann aber nur auf „einfachen Linien“ fahren, auf die sich ortsunkundige Fahrer schnell einstellen könnten.

Aber auch auf anderen Wegen versucht man weiter, den Streik zu verhindern. So hat der Vorsitzende des Kommunalen Arbeitgeber-Verbandes (KAV), Norbert Schmidt, bei der BVG jetzt nachgerechnet, dass das Unternehmen bei einem Austritt aus dem Arbeitgeberverband keine Kosten sparen würde. Mit dem Austrittswunsch hatte Finanzsenator Sarrazin die Fronten zusätzlich verhärtet. Schmidt ist Personalchef bei den Berliner Wasserbetrieben. Er versucht, in dem Konflikt, in dem alle Seiten seit mehreren Wochen nicht mehr miteinander sprechen, weiter zu vermitteln.

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