Berlin : BVG krempelt Bus-Netz um und legt sich mit S-Bahn an

Von Dezember an fahren „Metro-Linien“ durch die Stadt – schneller und in dichterem Takt als bisher. Das macht der Schiene Konkurrenz

Jörn Hasselmann

Der berühmte 100er bleibt der 100er – sonst aber wird das Busnetz gründlich umgekrempelt. Die BVG setzt ihre Fahrgäste ab Dezember in 24 neue „Metrolinien“. Zeitgleich soll es bei der U-Bahn eine neue U1 geben, die von Warschauer Straße bis Uhlandstraße fährt. Die U15 wird eingestellt. Nach Dahlem verkehrt ab Dezember die neue Linie U3, und zwar ab Nollendorfplatz.

Das Konzept soll am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Statt der zunächst angekündigten 40 bis 50 M-Linien wird es nur 24 geben – die dann in dichtem Takt auf Hauptstraßen auf geraden Routen fahren sollen. 15 Buslinien und 9 Straßenbahnlinien bekommen ein „M“. So werden beispielsweise die Busse 119, 129, 121 und 146 zu Metrolinien aufgewertet, teilweise mit verkürzten Strecken. Denn die BVG garantiert auf den M-Linien mindestens einen 10-Minutentakt an 20 Stunden täglich. Wie bei der U-Bahn soll es eine Netzspinne geben. Die stark befahrenen Linien 145 (Zoo-Spandau) und 148 (Zehlendorf-Alex) werden zur Überraschung von Verkehrsexperten nicht in Metrolinien umgewandelt – um die S-Bahn nicht noch mehr zu verärgern. Denn die protestiert seit langem gegen diesen Parallelverkehr zu ihren Linien. PDS-Verkehrsexpertin Jutta Matuschek kritisierte scharf, dass die BVG ohne jede Absprache mit der S-Bahn ihr Netz umkrempelt. Die S-Bahn sei erst sehr spät informiert worden und vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagte Matuschek. Die BVG stelle mit rein betriebswirtschaftlichen Argumenten völlig eigensüchtig ihr Netz um. Beispiel 148er im Straßenzug Hauptstraße – Rheinstraße – Potsdamer Straße. Seit Jahren ärgert sich die S-Bahn über das Parallelangebot zur Wannseebahn S1. Der Takt des 148ers wird ab Dezember noch verdichtet – die „M“-Qualität wird erreicht.

Der Alleingang der BVGsei aus einem weiteren Grund ärgerlich, sagte Matuschek. Denn im Jahr 2006 muss auch die Bahn ihr Streckennetz umstellen, nämlich zur Eröffnung des Nord-Süd-Tunnels. Zudem habe die Premiummarke Metrobus eine Kehrseite – ein stark ausgedünntes Netz und Takt in den Wohngebieten und am Stadtrand.

Dies befürchtet auch SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler: „Die übrigen Linien dürfen nicht zum Restnetz herabgestuft werden.“ Gaebler betont: Das Metro-Netz ist ein Konzept. Darüber muss jetzt diskutiert werden. Entschieden wird letztlich im Senat.“

Auch Petra Rohland, die Sprecherin von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), forderte eine „Koordination“ von BVG und S-Bahn. In der kommenden Woche wolle die BVG das Linienkonzept mit den geplanten Takten beim Senat einreichen, sagte Rohland.

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