BVG : Kunden müssen's nicht ausbaden

Berliner, die auf Bus, Tram und U-Bahn angewiesen sind, sollen nach der Einigung im Tarifstreit der BVG nicht für höhere Löhne zahlen. Der neue Tarifvertrag bleibt ohne Folgen für die Fahrpreise - damit die BVG im europaweiten Vergleich weiterhin vorne mitspielt.

Klaus Kurpjuweit

Heute beginnt die Urabstimmung zum neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten der BVG. 28,3 Millionen Euro muss der Verkehrsbetrieb dafür in diesem und im nächsten Jahr aufbringen. Fahrpreiserhöhungen oder Einschränkungen im Angebot soll es nach BVG-Angaben aber nicht geben. „Damit würden wir unseren Spitzenplatz in Europa gefährden“, sagte BVG-Vorstand Thomas Necker. In der jüngsten Umfrage zur Qualität des Nahverkehrs in sieben europäischen Städten lag die BVG beim Verkehrsangebot nämlich erneut vorn und erreichte beim Preis-Leistungsverhältnis ebenfalls den besten Wert. Insgesamt schaffte die oft gescholtene BVG wie im Vorjahr in vier von zehn Kategorien den ersten Platz.

Der Verkehrsbetrieb und auch der Senat lehnen deshalb den Vorschlag des TU-Verkehrsexperten Jürgen Siegmann ab, das Busnetz einzuschränken, das seiner Ansicht nach mit 150 Linien „etwas zu üppig“ ist. Vor allem in den Außenbezirken sieht Siegmann noch ein „Einsparpotenzial“.

Aber nur mit einem sehr guten Angebot sei es möglich, Fahrgäste für den Nahverkehr zu gewinnen, erwidert Necker und verweist auf die jüngste BEST-Studie (Benchmarking in European Service of public Transport) mit ihren Spitzenwerten für die BVG. Befragt worden waren jeweils 1000 Bewohner zum Nahverkehr in Stockholm, Oslo, Helsinki, Kopenhagen, Wien, Genf und Berlin.

Mit dem Verkehrsangebot zufrieden sind in Berlin 86 Prozent. Mit weitem Abstand (68 Prozent) folgt Genf, den letzten Platz belegt hier mit 55 Prozent Kopenhagen. Den höchsten Einzelwert mit 94 Prozent gab es bei der BVG für die Nähe des Wohnortes zu einer Haltestelle, während lediglich 74 Prozent fanden, dass Bahnen und Busse auch gut für Fahrten ins Umland seien.

Einschränkungen seien nicht geplant, bestätigte auch die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis. In dem erst im vergangenen Jahr mit der BVG abgeschlossenen Verkehrsvertrag, der bis 2020 gilt, sei das heutige Angebot zunächst festgeschrieben worden. Und derzeit gebe es keinen Grund, dies zu ändern.

Die BVG will auch den Spitzenplatz beim Preis-Leistungsverhältnis behalten, weil dann neue Fahrgäste gewonnen werden können. Eine drastische Erhöhung der Preise würde dieses Ziel gefährden. Ohnehin werden die Tarife im Nahverkehr durch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) festgesetzt, der die Preise nicht stärker als die Inflationsrate steigen lassen will.

56 Prozent der Befragten sind mit dem Preis-Leistungsverhältnis bei der BVG zufrieden. Im Vorjahr teilte sich der Verkehrsbetrieb mit einem Wert von 53 Prozent den ersten Platz mit Wien, wo jetzt nur noch 33 Prozent Preis und Leistung für angemessen halten. Am unzufriedensten sind mit 26 Prozent die Stockholmer.

Vorne liegt die BVG – obwohl die Umfrage während des Streiks im März stattfand – auch bei der Zuverlässigkeit (84 Prozent) und beim Komfort (78 Prozent). Hinten sind die Berliner dagegen bei der Sicherheit, mit der nur 68 Prozent zufrieden sind. Noch schlechter ist hier lediglich Stockholm mit 64 Prozent. Am sichersten fühlen sich mit 82 Prozent die Befragten in Oslo. Die BVG stellt derzeit aber neues Sicherheitspersonal ein.

Großer Verlierer bei der diesjährigen Umfrage war Wien, das im vergangenen Jahr wie Berlin noch in vier Kategorien vorne lag, dieses Mal aber keinen Spitzenplatz mehr erreichte.

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