BVG-Opfer : U-Bahnkioske bleiben dicht: Zwangsurlaub für Verkäufer

Wenn bei der BVG gestreikt wird, stehen auch die Besitzer der Läden in den U-Bahnhöfen vor verschlossenen Toren. Einige Kioskbesitzer sehen sich durch die Streiks gar in ihrer Existenz bedroht.

Laura Wieland

Der kleine Obst- und Gemüsestand im U-Bahnhof Fehrbelliner Platz gehört Herrn Kaya, der seinen Vornamen nicht nennen will. Ihm droht der Streik an die Substanz zu gehen. Weil das Bahnhofsgelände während des Streiks abgesperrt wird, muss auch Kayas Laden bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Er hat kein Verständnis für den Streik. „Obst und Gemüse halten nicht lange. Ich muss die ganze Ware wegschmeißen. Wer bezahlt mir das?“ Sollte der Streik länger als drei Tage dauern, weiß er nicht, wie er die Miete für den Laden und seine Wohnung zahlen soll.

„Ich arbeite jetzt schon 18 Stunden am Tag und das Geschäft läuft eh’ nicht so gut“, sagt Kaya. Bereits beim Warnstreik Anfang Februar habe er beim Vermieter Urbanis, einem Tochterunternehmen der BVG, nachgefragt, ob ihm die Miete für die ausgefallenen Tage erlassen werde. Auch diesmal habe er mit einem Manager von Urbanis gesprochen, aber die Antwort laute immer: „Nein.“

„Streik ist höhere Gewalt“, sagt BVG-Pressesprecherin Petra Reetz. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssten die Bahnhöfe abgesperrt werden, damit nicht etwa Kinder in die Gleise geraten. „Die Kioskbetreiber haben einfach Pech gehabt, genauso wie die Kunden“, sagt Reetz. Es werde keine Entschädigung geben – weder für Kunden noch für Ladenbetreiber.

Mit den Mietern gebe es „individuelle Verträge“, hieß es gestern bei Urbanis. Nun kommt es darauf an, wie der konkrete Fall im Mietvertrag geregelt wurde. „Wenn keine zusätzliche Vereinbarung für den Streikfall getroffen wurde, könnte der Mieter womöglich eine Mietminderung verlangen“, sagt Bernhard von Kiedrowski von der Rechtsanwaltskammer Berlin. Die Vermieter seien daher gut beraten, auf den Mieter zuzugehen.

Ewgeni Bekker fühlt sich jedoch im Stich gelassen. Zusammen mit seiner Mutter betreibt er einen Laden für russische Waren. „Für uns ist es ganz schlimm“, sagt er. „Selbst wenn man uns für die Streiktage die Miete erstattet, sind das doch nur ein Paar Euro.“ Viel gravierender sei der Verdienstausfall. Früher sei er immer auf der Seite der Streiker gewesen. Mittlerweile hat er seine Meinung aber geändert: „Die denken doch auch nur an sich.“Laura Wieland

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